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Marie Antoinette – Original Soundtrack
VÖ: 27.10.2006 / Verve - Universal Music
„Die Leute haben kein Brot? Sollen sie doch Kuchen essen.“ So oder ähnlich ignorant soll Marie Antoinette, die österreichische Erzherzogin und französische Königin, auf den Unmut ihrer Untertanen reagiert haben, der bald darauf in der französischen Revolution mündete.
Sie war eine „Rock und Rokoko Königin“ (Le Monde) und echte „Pop Prinzessin“ (Der Spiegel) und als solche porträtiert sie Sofia Coppola in ihrem fantastischen neuen Film. Basierend auf Antonia Frasers Biographie „Marie Antoinette: Eine Reise“ umschifft die 35-jährige Regisseurin, deren Filme „The Virgin Suicides“ und „Lost In Translation“ die Amerikanerin bereits jenseits ihres Nachnamens berühmt machten, die Konventions-Klippen eines Kostümfilms und erzählt stattdessen in schnellen Bildern eine spannende Geschichte über jugendliche Ängste und Emotionen. Mit einer entweder extrem aufgetakelten oder nur mit einem Fächer bekleideten Kirsten Dunst in der Hauptrolle, dazu den Schauspielern Jason Schwartzman, Rip Torn und Steve Coogan und Marianne Faithfull als Kaiserin Maria-Theresia, allesamt in Schuhen von Manolo Blahnik, gerät „Marie Antoinette“ zu einer „wilden Mischung aus Versailles Chic und Jungmädchenträumen im 21. Jahrhundert“ (Sonntagszeitung).
Mehr noch: “Marie Antoinette“ badet in jenem Zeitgeist-Pop-Soundtrack, der auch schon „Lost in Translation“ auszeichnete, und ist Zucker für Auge und Ohr.“(Tagblatt)
Um diesen Soundtrack, der dem Film eine extrem moderne Note verleiht, wurde bereits im Vorwege einiges Aufhebens gemacht. Bevor der Film am 2. November 2006 in die deutschen Kinos kommt, steht uns damit also mehr als nur ein Vorgeschmack auf dieses cineastische Ereignis ins Haus.
Mit Gespür für historische Parallelen und die Historie des Pop bringt der von Drummer und Filmmusikexperte Brian Reitzell produzierte und zusammengestellte Soundtrack Vivaldi und New Order, The Strokes und Siouxsie & The Banshees zusammen. „Hong Kong Garden“, die erste Single der von John Peel geförderten Sex Pistols-Fans unter Siouxsie Sioux, die schon im August 1978 die britischen Charts eroberte, eröffnet den Soundtrack. Konsequenterweise sind anschließend Bow Wow Wow zu hören, die immerhin von Sex Pistols-Manager Malcolm McLaren ins Leben gerufen wurden. Ihr Hit „Aphrodisiac“ von 1983 ist im Original dabei, während später „I Want Candy“ und „Fools Rush In“ im Remix von Kevin Shields (My Bloody Valentine) auftauchen. Keine Angst: Die prinzesslichen Parallelen werden nicht so weit getrieben, dass hier nur Post-Punk-Phänomene mit quirligen Frontfrauen präsentiert werden.
Und neben weiteren Helden der 80er, z.B. New Order, Adam & The Ants, Gang Of Four und The Cure, sorgen auf dem Soundtrack zu „Marie Antoinette“ auch etliche moderne Rock- und Indiestars für Ohrenschmaus. The Strokes fragen „What Ever Happened?“ in der Eingangsode ihres Album „Room On Fire“ von 2003. Windsor for the Derby sind mit „The Melody of A Fallen Tree“ von ihrem Album „We Fight Til Death“ zu hören, die jungen Schweden von Radio Dept. gleich drei mal, mit „Keen On Boys“ von ihrem Debüt „Lesser Matters“, „I Don’t Like It Like This“ von der EP „This Past Week” und “Pulling Our Weight” von der gleichnamigen EP. Dazu kommen Air mit ihrem nagelneuen Instrumental “Il Secondo Giorno”, das „Intro Versailles“ von Brian Reitzell / Richard Beggs und die eigens eingespielten romantischen Pianosoli von Dustin O’Halloran (Devics). Plus Aphex Twin mit „Avril 14th“ und „Jynweythek Ylow“, dem Eröffnungstrack seines Albums „Drukqs“, Squarepusher mit dem elegischen E-Piano von „Tommib Help Buss“ und Agnés Mellon mit der Ballade „Tristes apprêts, pâles flambeaux“. Halt, Stop! Letzteres Liedchen stammt aus Rameaus „Castor & Pollux“ und gehört eindeutig ins 18. Jahrhundert, wie natürlich auch das „Concerto in G“ von Antonio Vivaldi, Scarlattis „K.213“ oder „Les Baricades Mysterious“ von Francois Couperin, dem Hofkomponisten des Sonnenkönigs Louis XIV. Dass sich die neuen und alten Weisen nicht nur vertragen sondern sogar ergänzen, ist natürlich Konzept.
Auch der Soundtrack von „Marie Antoinette“ schlägt Brücken – über knapp 300 Jahre populärer Musik. Dabei trifft er immer den Zeitgeist. Und ins Schwarze.
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