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Chefökonom: EZB wird 2012 in großem Umfang Anleihen kaufen

Sitz der EZB in Frankfurt (Foto: Nicolae Popovici / Photos.com)

Sitz der EZB in Frankfurt (Foto: Nicolae Popovici / Photos.com)

Der Morgan Stanley Chefökonom Joachim Fels geht davon aus, dass die EZB 2012 den Leitzins weiter senken und im großen Umfang Anleihen kaufen wird. Man folge damit der Geldpolitik der amerikanischen FED. Einen automatischen Anstieg der Inflationsgefahren sieht Fels dadurch aber nicht.

Berlin – Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Ansicht des Chefökonomen von Morgan Stanley, Joachim Fels, schon bald in großem Umfang Anleihen kaufen, um die Konjunktur in Europa anzukurbeln. “Die Überschrift über dem Jahr 2012 wird lauten: Schleusen auf, Teil 2″, sagte Fels im Interview mit “Handelsblatt”.com. Die EZB werde im Februar oder März zunächst die Leitzinsen weiter senken, bis auf ein halbes Prozent.

Dann werde sie ihre Prognosen für Wachstum und Inflation nach unten korrigieren. “Und dann gibt es nur noch einen Weg, um dafür zu sorgen, dass die Geldpolitik ihre gewünschte Wirkung entfaltet: Eine Ausweitung der Anleihekäufe.” Die EZB werde in großem Umfang Anleihen von Staaten, Banken und Unternehmen kaufen – und zwar gleichmäßig aus allen Ländern der Euro-Zone bis zu einem festgesetzten Betrag, prognostiziert Fels. Damit würde sie eine ähnliche Strategie verfolgen wie die US-Notenbank Fed.

Keine automatischer Anstieg der Inflationsgefahr

Die Bilanzsumme der EZB würde damit weiter steigen, auf über drei Billionen Euro. Das sei aber kein Problem, sagte Fels: “Die Grenze dafür ist der Himmel. Die EZB kann ihre Bilanzsumme beliebig ausweiten, weil sie ja das Geld selber drucken kann.” Das bedeute keineswegs, dass die Inflationsrisiken dadurch automatisch wüchsen. “Wenn das so wäre, müssten wir ja in den USA, Japan und Großbritannien schon Hyperinflation haben.” [dts Nachrichtenagentur]

Das schreiben Andere zur EZB:

  • Oekohuman: Jörg stellt fest, dass die EZB immer weniger dem Vorbild der Bundesbank folgt und sich zunehmend an der Geldmarktpolitik der amerikanischen FED orientiert.
  • ÖkonomenBlog: Ralph liefert EZB-Chef Draghi einige Denkanstösse und bemüht dafür den Alt-Ökonomen und Wirtschafts-Nobelpreisträger F.A. Hayek.
  • Querschüsse: Steffen berichtet über Rekordsummen, die Geschäftsbanken bei der EZB bunkern.

Sebastian Fiebiger (): Klingt nach einem guten Plan, angesichts der angespannten Situation an den Anleihemärkten.

Allerdings wird dieses “Manöver” nur dann funktionieren, wenn die Staaten bei ihrem Sparbemühungen bleiben. Und die dann künstlich gedrückten Zinsen nicht für den Aufbau neuer Verschuldung nutzen.


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