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Home > Wissenschaft >

Gefühle unterdrücken - der falsche Weg


 
Gefühle unterdrücken - der falsche Weg!
 


psychophysik.com:
In einem Interview mit dem Magazin go longlife sind folgende Sätze von Ihnen zu lesen: "Es gibt einen fatalen Weg, wie Menschen sich und ihr Hirn vor Veränderungen "schützen": Sie lernen ihre Gefühle zu unterdrücken und versuchen einen Zustand zu erreichen, wo ihnen nichts mehr "unter die Haut geht".



Gerade diese Gefühle, also die Aktivierung der emotionalen Zentren im Gehirn und die damit einhergehende Ausschüttung von Botenstoffen mit wachstumsfördernden Wirkungen, sind aber die entscheidenden Auslöser für Umbauprozesse von einmal entstandenen Verschaltungsmustern der Nervenzellen im Gehirn." Können Sie diesen Aspekt - auch vor dem Hintergrund Ihres Erikson-Zitats „Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben“ - nochmals genauer erläutern?

Prof. Gerald Hüther:
Mit der Fähigkeit, seine Gefühle zu unterdrücken, sich selbst unter Umständen sogar abzuwerten und sich nichts zuzutrauen, kommt ja niemand auf die Welt. Diese schwierige Fähigkeit eignen sich Menschen erst im Verlauf ihres Lebens an. Manche mehr, manche weniger, das hängt ganz entscheidend von den Erfahrungen ab, die man vor allem als Heranwachsender in der Beziehung zu anderen Menschen macht. Einmal gebahnt, sind die diese Reaktionen und Bewertungen lenkenden neuronalen Verschaltungsmuster im Gehirn später nur noch schwer wieder auflösbar. Damit im Gehirn neue Verschaltungen entstehen können, muss es zu einer Aktivierung der emotionalen Zentren und zu einer damit einhergehenden vermehrten Ausschüttung neuroplastischer Botenstoffe kommen. Und genau das passiert nicht mehr, wenn jemand gelernt hat seine Gefühle so gut zu kontrollieren.

Solche Menschen reagieren nicht mehr emotional –weder auf das In-Ausssicht-Stellen einer Belohnung, noch auf die Androhung einer Bestrafung. Auch sonst sind sie emotional kaum noch zu erreichen. Ihre Fähigkeit, sich zu freuen ist ebenso eingeschränkt wie die, Schmerz oder Mitleid zu empfinden. Solche Menschen bringt man nur noch schwer in Bewegung. Sie wirken wie eingefroren. Dennoch: Auch sie waren einmal einfühlsame und gefühlvolle Menschen- ganz am Anfang, während ihrer frühen Kindheit. In ihrem Gehirn sind daher die für die Aktivierung von Gefühlen zuständigen Verschaltungen noch vorhanden. Diese durch spätere negative Erfahrungen stark überformten Muster sind daher prinzipiell reaktivierbar.

An sie ist eben normalerweise nur schwer heranzukommen – es sei denn, ein solcher Mensch macht eine Erfahrung, die ihn innerlich tief berührt. Dann werden diese alten Verschaltungsmuster wieder aktiviert. Und dann entsteht plötzlich wieder so ein altes, aus der ganz frühen Kindheit stammendes Gefühl, doch angenommen zu sein, doch dazu zu gehören, doch noch weiter wachsen und über sich hinauswachsen zu können. Das freilich sind Sternstunden, sogenannte „now-moments“, in denen ein Mensch sich wieder öffnet und für das empfindsam macht, was in ihm und um ihn herum geschieht. So etwas läßt sich nicht gezielt herbeiführen. Bestenfalls kann man Bedingungen dafür schaffen, dass es sich ereignet.

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Redakteur: Claus Fritzsche

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Gefühle unterdrücken - der falsche Weg



Kommentare (6)

Autor
Den Artikel findet Ihr hier:http://www.naanoo.com/artikel_2954.h... Mister X
Ganz cooler Artikel, schön aufgemacht. Schick.Zum Inhalt sag ich... Kone
Wow,sensationeller Artikel!!!Liebes ... Liebes
QUOTE (Prof. Gerald Hüther @ 00:00 , 01.01.2006 )Manche sind des... dasbo
habsch überflogen, dachte mir schon meinen teil ... Carmen00
Das neue Buch "Auf Schatzsuche bei unseren Kindern" (Dr... Name :Gu
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