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Mut: Manchmal nur ein Zeichen von Dummheit


 
Mut: Manchmal nur ein Zeichen von Dummheit
 


psychophysik.com:
Herr Prof. Hüther, versuche ich mich an dieser Stelle einmal in einem Fazit Ihrer bisherigen Aussagen, so komme ich zu folgender Sichtweise:

Ob emotionale Hemmungen, Unsicherheit, Hoffnungslosigkeit oder die weltweit bekannte "German Angst", entfaltungshemmende Erlebnis- und Verhaltensmuster sind in vielen Fällen das Resultat von Erlebnissen und Prägungen in der Kindheit.



Hirntechnisch betrachtet sind diese Prägungen nicht das zentrale Problem, da sie jederzeit durch neue positive überformt werden können. Frei nach dem Motto von Milton Erikson: „Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben“. So, wie Menschen auch noch im hohen Alter die Blindenschrift erlernen können, so können sie sich auch positive Gefühlsmuster wie Selbstvertrauen, Lebensfreude, Zuversicht oder eine positive Grundstimmung aneignen. Zumindest in der Theorie.

In der Praxis gibt es allerdings erhebliche Hürden, welche dem entgegenstehen. Eine kleine Hürde ist in der Tatsache zu sehen, dass nur wenige Menschen über diese Zusammenhänge und die hohe Formbarkeit und Plastizität ihres Gehirns informiert sind. Eine größere Hürde ist darin zu sehen, dass gewünschte positive Veränderungen Kraft, Energie, Eigeninitiative, vollen Einsatz erfordern und nicht an die Agentur für Arbeit, politische Parteien, Krankenkasse, den Hausarzt oder Glückspillen delegiert werden können. Eine sehr große Hürde sind negative Überzeugungssysteme: Ein Mensch hat sich selbst sein ganzes Leben lang in einem Dauerzustand der Ängstlichkeit und gefühlten Machtlosigkeit häuslich eingerichtet. Er selbst nimmt diesen Zustand überhaupt nicht als "negativ" wahr, da er keinen positiven Vergleich hat. Hat er die Wahl zwischen "Angst" und "Veränderung", so entscheidet er sich im Zweifelsfall für "Angst". Diesen Zustand kennt er. Hier fühlt er sich in seiner objektiven Unsicherheit subjektiv trotzdem sicher. Eine positive Veränderung ist für ihn außerhalb jeglicher Vorstellbarkeit. "Veränderung" ist etwas Unbekanntes. Unbekanntes kann gefährlich sein, macht Angst und wird konsequent vermieden. Die größte Hürde auf dem Weg zu einer Veränderung ist also ein Mangel an Mut. Und der äußert sich als ein Hang zur Bequemlichkeit, als Resignation und Lethargie.

Herr Prof. Hüther, wenn diese Zusammenfassung dem heutigen Kenntnisstand der Gehirnforschung entspricht, bleibt im Grunde ja nur noch eine Frage offen: Was macht Menschen mutig?

Prof. Gerald Hüther:
Um diese Frage zu beantworten, braucht man sich ja nur diejenigen anzuschauen, die uns besonders mutig vorkommen. Manche sind deshalb mutig, weil ihnen die Einsicht fehlt, weil sie entweder zu wenig Hirn haben oder es einfach nicht einschalten. Wer außerstande ist, die Folgen seines Handelns zu überblicken, agiert ohne Angst. Dieser Mut entsteht also aus Dummheit. Der andere Mut, der diesen Namen verdient, erwächst aus Einsicht und dem Gefühl der Verbundenheit. Um diese Art von Mut zu entwickeln, muss man Gelegenheit bekommen, Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen und vielfältige Erfahrungen bei Bewältigung der Aufgaben zu sammeln, die das Leben in einer Gemeinschaft mit anderen Menschen immer wieder an jeden Einzelnen stellt.

nächste Seite:   Über Prof. Gerald Hüther


Redakteur: Claus Fritzsche

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Mut: Manchmal nur ein Zeichen von Dummheit



Kommentare (6)

Autor
Den Artikel findet Ihr hier:http://www.naanoo.com/artikel_2954.h... Mister X
Ganz cooler Artikel, schön aufgemacht. Schick.Zum Inhalt sag ich... Kone
Wow,sensationeller Artikel!!!Liebes ... Liebes
QUOTE (Prof. Gerald Hüther @ 00:00 , 01.01.2006 )Manche sind des... dasbo
habsch überflogen, dachte mir schon meinen teil ... Carmen00
Das neue Buch "Auf Schatzsuche bei unseren Kindern" (Dr... Name :Gu
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