
Stephan Steigmann
In der neuen Comedy Leg Dich nicht mit Zohan an! wird Adam Sandler vom gefeierten Top-Agenten in Israel zum ebenso erfolgreichen Friseur in New York – und überzeugt in beiden Teilen der Welt durch seine Kampfkünste.
Wir haben nachgefragt – und zwar beim Kampfsport-Experten Stephan Steigmann vom Budo-Club Randori Berlin. Der ehemalige Erstligakämpfer ist seit seinem sechsten Lebensjahr Judoka und trägt mit dem 5. Dan den höchsten Meistergürtel, der durch eine Prüfung erreicht werden kann. Seit mehr als zwanzig Jahren ist er als Trainer aktiv und hat unter anderem Marcel Jamet unter seinen Fittichen, der schon für die deutsche Nationalmannschaft kämpfte und bei Welt- und Europameisterschaften am Start war. Steigmann ist nicht nur Experte für Kampfkunst, sondern kennt sich auch in Israel aus: Er hat ein Judo-Austauschprogramm zwischen Berlin und Jerusalem mit aufgebaut und mehrfach mit der israelischen Nationalmannschaft trainiert.

Kampfsport Experte Stephan Steigmann
Schon das Filmplakat zeugt von Zohans artistischen Fähigkeiten – ist so ein Spagat im Stehen anatomisch möglich? Oder wird hier schon deutlich, was der Stuntkoordinator über ZOHAN sagt: „Wir haben ihn so angelegt, dass seine Kräfte zehn Prozent über den Fähigkeiten eines Menschen liegen“?
Es gibt Frauen, die so eine Stellung tatsächlich hinbekommen – wenn sie Karate oder Taekwondo beherrschen, ist das gar nicht unwahrscheinlich. Bei Männern ist sie nur annähernd zu erreichen, ein so exakt gerader Winkel ist nicht wirklich möglich – da war wohl doch die Bildbearbeitung am Werk. Die zehn Prozent, von denen der Stuntkoordinator spricht, treffen die Sache also auf den Punkt.
Was muss man tun, um – zumindest annähernd – so gelenkig zu werden?
Vor allem eines: früh anfangen! Beweglichkeit und Dehnfähigkeit müssen bis zum zwölften Lebensjahr angelegt werden, sonst sind solche Übungen unmöglich – auch bei Frauen. Man muss also schon als kleines Kind mit Koordinations- und Beweglichkeitsübungen beginnen. Wenn man mit sechs anfängt zu trainieren, kann man die Stellung auf dem Filmplakat vielleicht im Alter von 16 Jahren schaffen. Darum könnte Adam Sandler – selbst wenn er eine Frau wäre – eine solche Übung nicht innerhalb kurzer Zeit erlernt haben. Aber wer weiß, vielleicht ist er ja ein Karate-Tiger und schon ewig dabei.
Sind Kampfkünste wie die, die Zohan im Film zeigt, nur durch körperliches Training zu erreichen, oder muss auch der Geist geschult werden?
Der Geist ist bei jeder Kampfsportart unheimlich wichtig. Man sieht ja auch im Film, wie Zohan als Agent in vielen Szenen blitzschnell reagieren muss und Situationen innerhalb von Sekunden erfasst. So etwas ist auf der Wettkampfmatte genauso wichtig wie auf der Straße – blindes Draufloshauen bringt nichts.
Ist die Szene, die im Filmclip zu sehen ist, realistisch?
Die Szene beginnt mit einem Finger-Hebel, den man zum Beispiel in den japanischen Kampfsportarten Aikido und Jiu Jitsu findet. Dieser Griff ist extrem schmerzhaft und verhindert, dass sich der andere bewegt. Zohan steht im Clip ja nur eine Armlänge von dem Geschäftsmann entfernt. Den Fuß aus dieser Distanz ins Gesicht des Gegenübers zu schwingen, gelingt zumindest hier in Berlin nur wenigen Frauen. Für Zohan als Mann kamen also wohl wieder die eingangs erwähnten zehn Prozent komödiantische Überspitzung zum Zug. Ein Tritt auf den Hinterkopf wäre möglich, aber aus der Distanz unters Kinn treten, das könnte als Mann höchstens jemand wie Jackie Chan in jungen Jahren. Und selbst bei ihm bliebe eine Frage offen: Wer hat ihm die Schuhe ausgezogen?
Zohan wird vom Mossad-Agenten zum Friseur – gibt es Eigenschaften eines Kampf-Experten, die ihm in seiner Stylisten-Karriere nutzen könnten?
Als Kampfsportler sind vor allem Reaktion und Koordination wichtig, und gerade letztere braucht auch ein Friseur: Er muss schnelle Finger haben und sehr geschickt mit seinen Händen umgehen. Außerdem hilft beim Kampf mit den Haaren auch das sichere Auge, das für ZOHAN schon als Agent unheimlich wichtig war. Ich kenne selbst einen Friseurmeister, der erfolgreich Kampfsport betreibt. So unterschiedlich diese Berufe auch sind: Die Fingerfertigkeit sollte nie unterschätzt werden.
Sie haben selbst schon in Israel mit der dortigen Judo-Nationalmannschaft trainiert – gibt es einen direkten Draht zwischen Kampfsportlern und Geheimdienst?
Die Sportler der Nationalmannschaft haben tatsächlich eine enge Verbindung zu Militär und Geheimdienst. In den Nahkampftechniken stecken ganz klar auch Judo-Elemente, in die Ausbildung der Agenten fließen aber alle Arten asiatischer Kampfsportarten ein. Die werden dann zu einer ganz eigenen Mischung verarbeitet – die Männer sind einfach fit, das kann man mit der Polizeiausbildung hierzulande, bei der ich auch schon mitgewirkt habe, nur bedingt vergleichen. Insgesamt ist im Film die Situation in Israel, so wie ich sie damals erlebt habe, perfekt getroffen. Wenn ZOHAN mit dem Geheimdienst-Hubschrauber von der Strandparty abgeholt wird, dann spiegelt das – natürlich überspitzt – das wieder, was ich in Israel empfunden habe: Trotz Feierstimmung war das Gefühl des permanenten Kriegszustandes vor einigen Jahren noch allgegenwärtig. Inzwischen ist die Lage entspannter, darum war ich im letzten Jahr auch mit Jugendlichen dort. Man kann derzeit wirklich bedenkenlos dorthin fahren, es ist ein wundervolles Land!
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