22.06. bis 14. 09.: Weltweit größte Mumien-Ausstellung auf Gottorf
Mumien - Der Traum vom ewigen Leben
Ab 22. Juni präsentiert das Archäologische Landesmuseum Schloss Gottorf „Mumien – Der Traum vom ewigen Leben“, die weltweit einzigartige Mumienausstellung. Zwischen Oktober 2007 und Mai 2008 hielt dieses Projekt in den Reiss-Engelhorn Museen von Mannheim fast 200.000 Besucher in Atem. Dabei handelt es sich bei der Präsentation auf der Schleswiger Schlossinsel um die zweite und letzte Station dieser Mumienausstellung in Deutschland.
In der Gottorfer Reithalle werden auf knapp 700 Quadratmetern Ausstellungsfläche menschliche und tierische Mumien aus aller Welt, beispielsweise aus Südamerika, Asien, Polynesien, Ägypten, aus den Alpen, den Niederlanden und Deutschland zu sehen sein. Sie sind Belege unterschiedlicher Mumifizierungsumstände im Eis, im Moor, in der Wüste sowie in Höhlen und Grüften oder durch menschliches Zutun.
Bei dem Ausstellungsvorhaben handelt es sich um eine Gemeinschaftsproduktion der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim (REM) und des Archäologischen Landesmuseums Schloß Gottorf.
Doch vor dem Einzug der überaus seltenen und fragilen Exponate galt es zunächst einmal, wichtige technische Voraussetzungen zu erfüllen. Für über eine halbe Million Euro wurde auf dem Dach der Reithalle, größter Ausstellungskomplex der Landesmuseen Schleswig-Holstein, eine Klimaanlage errichtet. Nunmehr ist das Klima in der Reithalle auf Temperaturen von 18 bis 24 Grad C und eine relative Luftfeuchte von 40 bis 60 Prozent exakt einzustellen. Für die Ausstellung „Mumien - Der Traum vom ewigen Leben“ soll die Temperatur in der Reithalle 21 Grad C (+/- 3 Grad) und eine relative Luftfeuchte von 55 Prozent (+/- 5 %) betragen. 423.000 Euro investierte des Land Schleswig-Holstein in die Aufwertung der Ausstellungshalle, fast 100.000 Euro steuerte noch einmal die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloß Gottorf bei.
Das Thema Mumien und Mumifizierung ist facettenreicher als nur „Mumien und Ägypten“ und hat eine alle Kontinente betreffende natur- und kulturgeschichtliche Dimension. „Mumien - Der Traum vom ewigen Leben“ – das sind 65 Mumien aus einem Zeitbereich von den Dinosauriern bis heute, aus fast allen Kontinenten, Naturräumen und Kulturkreisen der Erde. Zu sehen ist u.a. der Torfhund von Papenburg (1200 vor Chr.). Aber auch die Überreste einer 22-jährigen Frau, die im 17. Jahrhundert auf 2680 Metern Höhe im Porschabella-Gletscher verstarb und dort 1992 entdeckt wurde. Erstmals außerhalb der Schweiz war diese Gletscherleiche nur auf der Weltausstellung in Japan zu sehen.
Gezeigt werden auch die Menschen aus den Mooren, wie die wohl berühmteste Moorleiche Deutschlands, die Moorleiche von Windeby aus Schloß Gottorf. Diese 1952 in einem Moor bei Eckernförde gefundene Moorleiche ist ein gutes Beispiel für den zweiten Projektschwerpunkt. Denn der Ausstellung ist ein großes Forschungsvorhaben angegliedert, dem sich Wissenschaftler aus dem In- und Ausland angeschlossen haben. Unterschiedlichste Methoden sind im Einsatz (Genetik, Datierung, Anatomie, CT-Analyse, Drogenanalyse usw.), um die zahllosen Rätsel der Funde zu lösen.
Die Ausstellung befasst sich aber auch mit einem weiteren spannenden Aspekt zum Thema Mumien: der Pharmaziegeschichte, die bisher noch nie in diesem Zusammenhang beleuchtet wurde. Es gibt keinen Nachweis dafür, dass die frühen europäischen Kulturen Mumifizierung betrieben. Das europäische Interesse an Mumien stand in engem Zusammenhang mit der starken Nachfrage nach dem Heilmittel Mumia, einem Wachs, das man auch in Mumien vermutete. Das Wundermittel aus zerstoßenen Mumienteilen war eine der meistgebräuchlichen Arzneien des 16. und 17. Jahrhunderts. Dies führte dazu, dass unzählige Mumien aus Ägypten nach Europa gebracht wurden, um den Nachschub an Mumia sicherzustellen. Insgesamt werden über 150 Exponate gezeigt.
Darf man Mumien im Museum präsentieren?
Aufgabe eines Museums ist neben dem Sammeln, Bewahren und Forschen das kompetente Präsentieren kultureller und wissenschaftlicher Inhalte, zu denen auch das Thema Tod gehört. Ausstellungen fördern den interkulturellen Gedankenaustausch über Jenseitsvorstellungen. Inwieweit menschliche Überreste in der musealen Präsentation vorhanden sind, bestimmt die fachlich-thematische Ausrichtung eines Museums. Am häufigsten zu sehen sind wohl Skelettreste, seltener Mumien. Dies ist dann oft umstritten, was daran liegen dürfte, dass Mumien wegen ihrer besonderen Erhaltung dem Lebensbild eines Menschen noch ähnlich sind. Es hieße aber die Allgemeinverbindlichkeit der Maßstäbe westlicher Gesellschaft einfordern, wollte man die Mumien aus alten Kulturen und verschiedenen Naturräumen einem seriösen öffentlichen Interesse vorenthalten. Mumien sind seit Jahrtausenden ein fester Bestandteil der Natur- und Menschheitsgeschichte. Das Wissen um sie sollte nicht tabuisiert werden.
Die ethischen Richtlinien der weltweiten Museumsgemeinschaft verlangen, dass sterbliche Überreste sicher unterzubringen und mit Respekt zu behandeln sind. Außerdem müssen wissenschaftliche Untersuchungen an ihnen mit professionellen Standards erfolgen und den Glaubensgrundsätzen und Interessen der gesellschaftlichen, ethnischen oder religiösen Gruppen, denen die Objekte entstammen, Rechnung tragen.
Mumien sind die einzigen direkten Archive zum Menschen, viele Informationen können nur durch Untersuchungen an ihnen gewonnen werden. Diese sind eine wichtige Ergänzung der Daten aus archäologischem Kontext.
So beschlossen die das Archäologische Landesmuseum Schloß Gottorf und die Reiss-Engelhorn-Museen, erstmals in einer kultur- und naturgeschichtlichen Gesamtschau die umfassende zeitliche und geografische Dimension von Mumien und Mumifizierung zu präsentieren.
Gäbe es nach dem Tod keine Verwesung, wäre dem Stoffkreislauf des Lebens die Basis entzogen. Aber nicht nur das, es gäbe auch keinen Traum vom ewigen Leben und nicht die künstlich erzeugte Körpererhaltung, Mumifizierung genannt.
Mumien – Der Traum vom ewigen Leben
Reithalle von Schloß Gottorf: 22. Juni – 14. September
Täglich geöffnet von 10 bis 19 UhrVeranstalter
Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim, Direktor Archäologisches Landesmuseum Schloß GottorfOrganisation
Dr. Ralf Bleile, stellvertretender Direktor Archäologisches Landesmuseum Schloß GottorfKooperationspartner
Reiss-Engelhorn-Museen MannheimSponsoren
Druckzentrum Harry Jung Flensburg
FKAmedia GmbH Flensburg
SANI Mobile Raum- und SanitärsystemeSondereintritt:
Einzelkarte 6,- €
Ermäßigte Einzelkarte* 3,- €
Ermäßigung gilt für folgende Personen (mit gültigem Ausweis):
- Schüler ab 6 Jahre
- Auszubildende und Studenten
- Grundwehrdienst- und Ersatzdienstleistende
- Empfänger von Grundsicherungsleistungen (ALG I+II)
- Behinderte (ab 50% Grad der Behinderung, mit B im Ausweis freier Eintritt für Begleitperson)Führungen durch die Ausstellung
Öffentliche Führungen für Kinder ab 8 Jahre und Erwachsene
Vom 28. Juni bis zum 14. September sonnabends und sonntags um 15 Uhr an.
Die Gebühr beträgt 2 € pro Person zzgl. Eintrittspreis. Für Kinder (8-12 Jahre) gibt es spezielle Angebote. Die Führungen werden jeweils in zwei Gruppen geteilt. Die Führung für Kinder dauert 1,5 Stunden und die Führung für Jugendliche ab 13 Jahre
und Erwachsene eine Stunde.Feierabendführungen für Erwachsene
finden am 2. Juli, 16. Juli, 30. Juli, 13. August, 27. August und am 10. September um 18 Uhr statt. Die Gebühr beträgt 2 € zzgl. Eintrittspreis.Gruppenführungen
können Sie jederzeit unter 04621 813 222 für maximal 22 Personen pro Gruppe buchen. Zuzüglich zum Eintrittspreis ist ein Honorar von 40 € zu entrichten.Schulklassen müssen von zwei Lehrern begleitet werden und sollten nicht größer als ein üblicher Klassenverband sein. Schulklasse sind unbedingt unter 04621 813 233 anzumelden. Bei Führungen durch die Ausstellung ist zusätzlich zum Eintritt ein Honorar von 40 € zu zahlen.
Information, Führungen, Museumspädagogische Angebote
Tel: 04621/ 813-222 oder 04621 / 813- 0
E-Mail: info@schloss-gottorf.de
Internet: www.schloss-gottorf.de
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