Zweifelhaftes Kompliment
Le Pen: Merkel ist kein Bling-Bling-Sarkozy im Unterrock

Was die Chefin der rechtsradikalen französischen Partei „Front National“ über Angela Merkel, Nicolas Sarkozy und die Europäische Union denkt.

Marine Le Pen

Front National Chefin Marine Le Pen (Foto: Frederic Legrand – COMEO / Shutterstock)

Hamburg (ots) – Die Chefin der rechtsextremen Partei Frankreichs „Front National“, Marine Le Pen, fällt über Bundeskanzlerin Angela Merkel ein zwiespältiges Urteil. „Sie verteidigt die Interessen Deutschlands wirklich gut, da kann man nichts sagen; sie ist eine zupackende Frau, eine Eiserne Lady. Sie ist auch kein Bling-Bling-Sarkozy im Unterrock“, sagt die Französin im Gespräch mit dem Magazin stern. „Aber ihre Politik geht mir vollkommen gegen den Strich.“ Wenn Merkel eine Entscheidung treffe, stehe im Vordergrund, ob das gut für Deutschland und die Deutschen sei. Le Pen weiter: „Mich nervt, dass ihr niemand deutlich sagt: Sie machen das für Deutschland, aber zwingen Sie mir nicht Ihre Maßnahmen auf, denn sie sind für uns eine Katastrophe.“

Sarkozy ist „brutal und unangenehm“

Kritik übt Le Pen auch an Frankreichs früherem Staatschef Nicolas Sarkozy: „Er beleidigt mich in der Presse, auch unter der Gürtellinie“, sagt sie über ihn, „er ist brutal und unangenehm.“

Background: Ziele des Front National

Der Front National setzt vor allem auf eine umfassende Renationalisierung Frankreichs. Forderungen des Front National:

  • Austritt aus Eurozone, NATO und Schengen
  • Schutzzölle für die einheimische Wirtschaft
  • Ablehnung der Homoehe
  • starke Beschränkung der Zuwanderung
  • Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft
  • Kopftuchverbot
  • Einführung der Todesstrafe

Der Front National befürwortet die völkerrechtswidrige Besetzung der Krim durch Russland.

Die EU ist „eine Plattform des Wirtschaftskriegs“

Für die wirtschaftliche Malaise Frankreichs macht die Rechtsextreme allein die EU verantwortlich. „Noch nie“, erklärt sie im stern, „kursierten zwischen Europas Hauptstädten so viele Beleidigungen wie in jüngster Zeit. Die Deutschen gelten als die neuen Herrscher, die Griechen als Diebe, die Italiener als Schummler, die Franzosen als Faulenzer. Für mich ist die EU kein Friedenswerk, sondern eine Plattform des Wirtschaftskriegs. Eines Konkurrenzkampfs, der sich widerspiegelt im unterschiedlichen Lohnniveau der einzelnen EU-Länder.“

Le Pen will Präsidentschaftswahlen gewinnen

Le Pen glaubt fest daran, in zwei Jahren die französischen Präsidentschaftswahlen zu gewinnen. Am liebsten würde sie dann überall in Europa wieder Grenzstationen einrichten und Zölle erheben lassen. Auf die Frage des stern, ob dann die Franzosen wieder Importabgaben zahlen müssen, wenn sie einen BMW kaufen, sagt Marine Le Pen: „Ich wäre entzückt, wenn die Franzosen keine deutsche Wagen kauften, sondern nur noch Renaults und Peugeots.“

Links & Updates

Das schreiben Andere über Marine Le Pen und den Front National:

1 Le Pen & Co. ist mit mehr Transparenz nicht beizukommen | Ulrike Guérot
2 Neue Fraktion rechter Parteien im EU-Parlament | Freie Welt
3 Front National um internationales Profil bemüht | haGalil
4 Schlechter Tag für Europas Demokratie | Jutta Steinruck
5 Europa auf dem Weg in die Post-Demokratie? | Wissen Bloggt
6 Le Pen erhöht ihr Störpotenzial | Der Bund

Sebastian Fiebiger: Es entbehrt nicht einer gewisse Komik, wenn die Chefin einer nationalistischen Partei der deutschen Kanzlerin nationalen Egoismus vorwirft.

Ich habe mehr als einmal überlegt, ob wir die Äußerungen Le Pens überhaupt veröffentlichen sollen. Ich fürchte aber, dass uns diese Dame noch längere Zeit begleiten wird. War der Front National bei der Europawahl 2014 doch mit erschreckenden 25 Prozent die stärkste Partei Frankreichs. Ich denke zwar nicht, dass sich dieser Erfolg bei der nächsten Präsidentschaftswahl 2017 wiederholen lässt, aber angesichts der finanzpolitischen Unsicherheiten innerhalb der Eurozone dürften EU-Kritiker und Nationalisten weiterhin Konjunktur haben.

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