Bundeskanzlerin Angela Merkel gehört zu den Twitter-Verweigerinnen innerhalb der deutschen Spitzenpolitik.

Angela Merkel (Archivbild: Bundestag / Thomas Trutschel / photothek.net)
Erst heute hat ihr Regierungssprecher auf Anfrage des Spiegels bestätigt, dass es keine konkreten Pläne für ein Engagement der Kanzlerin auf Twitter gäbe. Und das obwohl Konkurrent Peer Steinbrück mit einem eigenen Twitter-Account in den Wahlkampf startet.
Es mag verwundern, dass gerade SMS-Intensivnutzerin Angela Merkel sich dem Trend der deutschen Politik verweigert, den eigenen Arbeitsalltag online zu dokumentieren. Meiner Meinung nach tut sie aber gut dran.
Warum?
Merkel hat es geschafft, sich über die letzten Jahre selbst eine präsidiale Ausstrahlung zu verleihen. Von der eher unbeholfenen, ostdeutschen grauen Maus hat sie es zu einer resoluten Politikerin mit stilsicherem Auftreten geschafft.
Sie hält sich aus den Grabenkämpfen der Tagespolitik weitestgehend heraus und vermittelt so den Eindruck als dritte Instanz über den Parteisoldaten aller Seiten zu stehen.
Twitter würde Merkel entzaubern.
Das kann man gut bei den Politikern beobachten, die regelmäßig twittern. Die mögen sympathischer erscheinen oder volksnäher. Aber Merkel kämpft um nicht weniger als den Erhalt der Spitzenposition.
Die Alltäglichkeit und Profanität würde an ihrem Image kratzen. Twitter-Nachrichten sind eben unpoliert, ungefiltert und spontan. Kein Parkett, auf dem Merkel besonders gut unterwegs ist.
Oder mit anderen Worten: Soll Steinbrück sich weiter um Kopf und Kragen reden. Auch online. Merkel gewinnt allein durch Schweigen, Lächeln und knappe Worte.
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