Kampfkunst-Experte Andreas Leffler im Interview

Andreas Leffler Medienverlag

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Die Kampfkunst in TRANSPORTER 3: Der Martial-Arts-Experte Andreas Leffler über seine Eindrücke vom Film

Am 8. Januar startet TRANSPORTER 3 (∆ Filminfo) in den deutschen Kinos. Darin zeigt Jason Statham in spektakulären Kampfsequenzen, dass er derzeit einer der talentiertesten Actiondarsteller ist.

Seine Vergangenheit als Sportler und seine Begeisterung für Kampfsport helfen ihm, im Film überzeugende und atemberaubende Kämpfe zu performen. Doch was steckt hinter den inszenierten Kämpfen? Wie groß ist der Einfluss eines Darstellers auf ausgeklügelte Kampf-Choreografien? Und wie bewertet ein Fachmann für Martial-Arts den Film?

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, haben wir dem erfahrenen Martial-Arts-Experten und Lehrer für verschiedene Kampfstile Andreas Leffler den Film noch vor Kinostart gezeigt und ihn anschließend interviewt. Andreas Leffler blickt auf eine 20-jährige Laufbahn im Kampfsport zurück. Er bekam 2005 den Titel Shihan verliehen was “meisterlicher Lehrer” bedeutet und wurde 2006 in den USA in die Martial Artists Hall of Fame als Nachwuchsmeister des Jahres aufgenommen. Aktuell arbeitet er an einem eigenen Filmprojekt und konnte somit auch über Martial Arts im Film berichten.

Herr Leffler, sie haben TRAN SPORTER 3 jetzt gesehen. Was hat Sie beim Film am meisten beeindruckt?

Ich finde den Film wirklich sehr gelungen in allen Teilbereichen. Sehr beeindruckt bin ich sowohl von den wirklich mitreißenden Bildern, also von der Kameraführung, als auch von den Kampfszenen, die schnell geschnitten sind und immer wieder interessante Details zeigten. Dazu kommen die zahlreichen atemberaubenden Autoverfolgungsjagden die sehr realistisch wirken.

Kennen Sie die beiden vorherigen TRANSPORTER-Filme?

Ich habe Teil 2 in den USA im Kino gesehen und mir daraufhin hier beide auf DVD gekauft. Mir haben beide Teile sehr gut gefallen, ich muss allerdings sagen, dass mir der dritte Teil am besten gefällt, was ja bei dritten Teilen nicht sehr oft der Fall ist.

Welche Weiterentwicklung sehen Sie im dritten Teil?

Die Idee mit den Armbändern ist sehr gut und wurde auch sehr fein umgesetzt. Der Film hat damit noch mehr an Spannung und Geschwindigkeit gewonnen und das, ohne durch allzu schnelle Schnitte zu verwirren. Die Spannung kommt vor allem durch den exzellenten Handlungsbogen. Waren die ersten beiden Filme noch gute Actionfilme so ist dieser wirklich eine durchgehende Adrenalinwelle – sehr unterhaltsam!

Jason Statham ist ein sehr sportlicher Typ. Man weiß, dass er viele Jahre ein ziemlich erfolgreicher Turmspringer war und dass er einen Kampfsport-Hintergrund hat. Können Sie anhand des Films identifizieren, welche Stile Statham wahrscheinlich trainiert?

In der heutigen Zeit mischen viele gute Kämpfer ihre Stile, da man Zugriff auf alle Kampfkünste der Welt hat. Das trifft besonders auch auf Actiondarsteller zu. So sieht man heute auch bei Jackie Chan kaum noch seinen Kung-Fu Hintergrund, der in seinen Frühwerken noch allgegenwärtig war. Mein Tipp wäre Kick-Boxen gemischt mit Mixed Martial Arts für einige Griffe und Take-downs.

Corey Yuen ist auch bei TRANSPORTER 3 verantwortlich für die Koordination der Kampfszenen. Er ist bekannt als Koryphäe auf diesem Gebiet. Haben Sie auch Erfahrung im Filmbusiness?

Ich habe bereits in den Neunzigern während meines Studiums begonnen Drehbücher zu schreiben und hatte in den USA einen Agenten und einige Kontakte wie z.B. mit Keith Strandberg, der damals zahlreiche Martial Arts Filme machte, z.B. auch zusammen mit Corey Yuen, „No retreat no surrender“. Aber irgendwie hatte sich am Ende nichts Konkretes für mich ergeben. Doch dieses Jahr habe ich meinen Traum vom Film endlich selbst in die Hand genommen. Wir haben unseren ersten eigenen Film gedreht. „Die Tempelherren – Das gespaltene Kreuz“, ein Mittelalterfilm, entstand diesen Sommer in Südfrankreich. Natürlich ein Film mit sehr vielen Kämpfen und sehr vielen echten Kämpfern. Der Film ist gerade in der Postproduktion.

In allen Filmen der TRANSPORTER-Reihe wurden in den Kampfsequenzen sehr originelle Orte und Accessoires gewählt. Können Sie sagen, wie spontan die Auswahl solcher Locations und Accessoires ist? Hat der Schauspieler dabei auch einen kreativen Einfluss?

Verschiedene Orte und Accessoires machen Kampfsequenzen natürlich sehr viel spannender, denn jeder Ort und jeder Raum geben den Kämpfern unterschiedliche Möglichkeiten. Ein guter Choreograph erkennt diese und nutzt sie, ebenso wie sie ein guter Kämpfer nutzen würde. Ich denke auch, dass ein Schauspieler immer auch Ideen mit einbringen kann, da selbst der beste Choreograph einmal ein witziges Detail oder eine spannende Möglichkeit übersehen kann.

Besonders die Action- und Kampfsequenzen im Film sind sehr schnell, würden Sie sagen, dass diese Darstellung realen Kampfbedingungen entspricht?

Reale Kämpfe sind in der Tat sehr schnell. Wie schnell das Ende des Kampfes kommt, hängt dabei natürlich auch vom Kenntnisstand beider Kontrahenten ab. Dazu kommt der Trend der Filmemacher, diese immer schneller zu schneiden. Das ist ein gefährlicher Drahtseilakt, da der Zuschauer ja auch noch etwas erkennen möchte. Bei TRANSPORTER 3 ist diese Herausforderung gut gelöst worden, weil mit gezielten Details oder Verlangsamungen das Tempo immer wieder ein wenig gedrosselt wird, was sicherlich sehr zum Verständnis beim Zuschauer beiträgt.

Sie haben selbst viele Jahre Erfahrung in verschiedenen Kampfkunst-Techniken. Wie sind Sie dazu gekommen?

Diese Geschichte ist leider nicht sehr spektakulär. Meine Realschule war schon damals eher rau und unfreundlich und so habe ich mich, nachdem ich einen Kampfsportfilm im Fernsehen gesehen hatte, entschlossen so etwas auch zu lernen, um mich besser verteidigen zu können.

Sie praktizieren nicht nur Kampfsport, sie lehren auch und haben Bücher für Kampfsportbegeisterte geschrieben. Können Sie Interessierten ein paar Tipps geben, worauf es ankommt, wenn man in die Materie einsteigen will und wie man am besten dabei bleibt?

Kampfkunst ist lebenslanges Lernen. Es gibt keine Ziele, keinen perfekten Meister oder unbesiegbaren Stil. Man braucht deshalb Zeit und vor allem Spaß an der Sache. Dazu ist es wichtig ein Training zu finden, das einem selbst Spaß macht. Es muss einfach menschlich passen, dann sieht man weiter. Ich selbst würde sagen, ein paar Bücher und Fach-Magazine lesen, sehen welche Kampfkunstvereine in der Gegend sind und einfach mal ausprobieren. Wenn es mal schlecht läuft, nie vergessen warum man es macht und motivierende Dinge lesen, hören, anschauen – z.B. Filme mit guten Kämpfen, wie TRANSPORTER 3! Hilft bei mir immer.

Welche Rolle spielt die Psyche beim Training?

Die Psyche ist enorm wichtig. Zunächst einmal muss man es schaffen sich immer wieder selbst zu motivieren. Motiviert ins Training zu gehen, zu schwitzen, zu arbeiten und manchmal auch zu bluten ist sehr wichtig. Wer schnell aufgibt oder zu wankelmütig ist, der wird hier keinen Erfolg haben. Sobald man dann ins Kampftraining kommt, wird die Psyche erneut auf eine harte Probe gestellt. Für viele Schüler ist das erste Mal im Ring ein unglaubliches Erlebnis, wenn tatsächlich jemand auf einen zukommt, um einen zu schlagen. Dann gibt es nur drei Möglichkeiten: Man hat Angst, man wird wütend, oder man bleibt ganz ruhig und tut was getan werden muss. Letzteres ist das Ziel bei der Sache. Erreicht man dieses psychische Ziel nicht, dann ist alles andere vergebens.

Im Film sehen die Kampfsequenzen für Jason Statham immer so leicht und beherrscht aus: Er schaltet 5 oder gar 10 Gegner auf engstem Raum innerhalb kürzester Zeit aus. Wie lange dauert es solche Szenen einzustudieren und filmreif zu perfektionieren?

Also für unseren Film, der mit vielen Darstellern arbeitet, die schon seit mindestens fünf bis zehn Jahren trainieren, haben wir etwa drei Monate ernsthafte Vorbereitung gebraucht, um die Kämpfe einzustudieren. Allerdings habe ich selbst schon etwa acht Monate vorher begonnen mir erste Gedanken zu machen und erste Teilchoreographien zu gestalten. Das Problem ist: Weiß man nicht wirklich was man tut, gibt es nicht nur ein erhöhtes Verletzungsrisiko, sondern man muss die Kämpfe auch durch schnelle Schnitte und Fakes im Nachhinein aufwerten. Deshalb ist es sinnvoll, gute Kämpfer und einem guten Kampfchoreographen zu haben, die genau wissen was sie tun. Dann hat der Cutter später ganz andere Möglichkeiten. Man muss schnell sein und vor allem präzise. Sobald Waffen im Spiel sind, wird das ganze noch viel gefährlicher, selbst wenn diese stumpf sind.

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