Kolumne
Trump, Brexit, Hofer – Wie konnte es dazu kommen?

Ist es NEID oder einfach ein Schrei nach Liebe?
eine Kolumne von Ernst Holzmann

Donald Trump

Donald Trump (Foto: Gino Santa Maria | Shutterstock)

Wie konnte es bloß dazu kommen? Was ist bei diesen Menschen passiert? Wie kann man sich nur so verhalten? Viele „kluge“ Menschen stellen sich aktuell diese Fragen und finden viele „kluge“ Antworten. Nicht nur, wenn man sich über die BREXIT-Abstimmung in England, oder den Wahlausgang in den USA unterhält. Sondern auch, wenn man Gründe für zunehmenden Rassismus zum Beispiel in Polen, Österreich, Frankreich, oder natürlich ganz besonders in Deutschland sucht.

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Vielleicht basieren diese Gründe ja auf der Wirkung eines ganz besonderen „Cocktails“, dessen Zusammensetzung auf NEID basiert und immer mehr Menschen „besoffen“ macht. Die Zutaten im Einzelnen:

Nichtbeachtung

Viele Menschen stehen fassungslos vor dem Verhalten anderer Menschen, die sich plötzlich um Fremde kümmern und nicht um sie. Warum werden „Neuankömmlinge“ in unserem Land plötzlich mit „Teddybärchen“ überhäuft, warum bekommen andere so viel Aufmerksamkeit und Zuneigung? Wieso sind diese „anderen“ plötzlich wichtiger, als man selber? Aus dieser gefühlten Zurückweisung entsteht dann oft Eifersucht, aus Eifersucht Wut und daraus oft Hass und Gewalt. Viele Worte und Taten sind dann nichts anderes als einfach „Ein Schrei nach Liebe“. Der einfache Wunsch, ebenfalls Beachtung zu finden, in den Arm genommen zu werden und wichtig zu sein. Und wenn Menschen in ihrer Kindheit ohne Wärme, ohne das Gefühl geliebt zu werden, aufwachsen müssen, wie sollen diese Menschen dann als Erwachsene Mitgefühl und Mitmenschlichkeit entwickeln und weitergeben können?

Existenzangst

Menschen brauchen Sicherheit, um sich entfalten zu können. Egal, ob finanzielle, körperliche, oder seelische. Wenn Menschen jeden Tag um ihre Existenz kämpfen und/oder die Angst haben müssen, ihren mühsam erarbeiteten Wohlstand zu verlieren, sind entsprechende Aggressionen vorprogrammiert. Schnell kommen dann die Fragen hoch, „wo plötzlich das viele Geld für andere Menschen herkommt“? Geld, das man doch selber genauso gut, oder noch viel besser gebrauchen könnte. Egal, ob für die Bezahlung der anstehenden Miete, oder als Rücklage für das Alter. Und wenn Menschen jeden Tag weltweiten Terror in den Medien sehen oder lesen, dann ist es vollkommen normal, dass sich der Urinstinkt nach körperlicher Sicherheit Bahn bricht und an erster Stelle steht.

Irrationalität

Fakten scheinen nicht mehr zu zählen, werden immer mehr ausgeblendet, den Medien wird immer weniger geglaubt. Eigene „Filterblasen“ entstehen, in die nur noch die Informationen eindringen können, die zum eigenen Weltbild passen. Gefühle entscheiden immer mehr bei eigenen Meinungen und Positionierungen, auch bei Wahlen. Wer es schafft, Gefühle in seine Richtung zu manipulieren, der punktet. Da spielt es dann oft keine Rolle mehr, ob Aussagen nachweisbar falsch sind, andere Menschen beleidigt, diffamiert oder diskreditiert werden. Menschen glauben einfach demjenigen mehr, der ihnen ein besseres Leben und eine bessere Zukunft verspricht. Egal, ob diese Rechnung aufgeht, oder ob sie vielleicht selber am Schluss die Rechnung bezahlen. Menschen können (oder wollen) anscheinend immer weniger verstehen und akzeptieren, dass eigener Wohlstand hauptsächlich auf eigenem Können und Wollen basiert. Und eben nicht auf den Wohltaten eines „Staates“, wer immer dieser Staat auch sein soll.

Deutschland den Deutschen

Egal, ob die Parolen lauten „America Great Again“, „Österreicher zuerst“, oder „Deutschland den Deutschen“. Der Inhalt und die Ansprache sind immer gleich. Bewusst werden von den entsprechenden Parteien und deren Vertretern Ressentiments gegen andere Nationalitäten geschürt und für die eigenen Zwecke genutzt. Die Vorteile, die Menschen vom friedlichen Zusammenleben mit unterschiedlichen Kulturen und Nationalitäten haben, werden ins Gegenteil verkehrt. Anstatt Brücken zu bauen, werden Zugbrücken hochgezogen und Stacheldrahtzäune ausgerollt. Der „böse Nachbar“ wird stigmatisiert und die „gute, alte Zeit“ wieder als Inbegriff von Sicherheit und gutem Leben aus der Mottenkiste gekramt. All die mit diesem Nationalismus verbundenen, schrecklichen Erfahrungen der letzten hundert Jahre werden komplett ausgeblendet. Jeder ist sich selbst der Nächste, obwohl wir Menschen soziale Wesen und aufeinander angewiesen sind.

Und dass wir gemeinsam auf einem Planeten leben und der Ort des Lebens meistens nur durch den Zufall, nämlich die eigene Geburt, bestimmt ist, interessiert am Schluss dann auch keinen mehr.

Was können wir jetzt tun, um diesen NEID-Cocktail in ein wohlschmeckendes und bekömmliches Getränk zu verwandeln, welches Gegenmittel könnte es gegen diese giftige Mischung geben? Mein Rezept dafür wäre ein „Cocktail“ bestehend aus mehr Verstand, mehr Vernunft, mehr sozialer Gerechtigkeit, mehr Herzlichkeit und dem Hinhören, wenn Menschen nach Liebe rufen. Oder einfach mehr FAIR PLAY im gegenseitigen Umgang. Die detaillierte Zusammensetzung dieses ­­­neuen Cocktails verrate ich dann gerne zu einem anderen Zeitpunkt.

Der Autor

Ernst Holzmann

Ernst Holzmann   

Ernst Holzmann trug mehr als 30 Jahre Verantwortung in leitenden Funktionen (u.a. Geschäftsführer für Vertrieb & Marketing; Leiter Unternehmens-strategie) bei Unternehmen der IT-Industrie und agierte gleichzeitig als Trainer (mit DFB-Lizenz), Sportlicher Leiter und Vorstand bei verschiedenen Vereinen.

Aktuell unterstützt er als Interim Manager Unternehmen in strategischen Neupositionierungen und in speziellen Krisensituationen. Daneben gibt er seine Erfahrungen als Dozent und Referent für die Themen Leadership, Unternehmensführung, Sport-ökonomie, Marketing und Kommunikation an Studierende und bei Unternehmens-Seminaren/-Veranstaltungen weiter.

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