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Freiziehen: Teurer Ausverkauf der Bildungspolitik

Freiziehen bedeutet die Schließung von Schulen, aktuell von vielen Grundschulen im ländlichen Raum. Ausreden für diesen Bildungsausverkauf gibt es mehr als Lösungsansätze. Doch Gegenbeispiele beweisen: Ein »Aufbau Bildung« ist trotz Sparzwang möglich!

Ausverkauf der Bildungspolitik

Ausverkauf der Bildungspolitik (Foto: luminaimages | Shutterstock)

Verfall der Bildungsgrundsätze wegen kommunaler Verschuldung

Mit der Wiedervereinigung sollte alles anders werden. Im Osten gäbe es viel aufzubauen, proklamierten die zuständigen Finanzminister. Statt jedoch bei wirtschaftlichen Ausgaben zu haushalten, begann vor etwa 15 Jahren eine bittere Rotstift-Politik – im Bildungswesen. Schulverwaltungsämter in ihrer Sparnot erfanden ein neues Wort: »Freiziehen«. Der Begriff steht für die Schließung von Schulen und die Verbringung der Schüler an andere Schulstandorte. Teuer für wen? Den höchsten Preis zahlen die Kinder.

Soweit das Freiziehen in einem Stadtgebiet durchgeführt wurde, ließ es sich den Eltern noch schmackhaft machen. Doch seit 2007 läuft die Schuldenabbau-Welle über die Bildungsangebote in ländlichen Regionen. Die Kommunen beklagen ihre kommunale Verschuldung als Grund, nicht sanieren und erhalten zu können. Die Landkreise berufen sich auf verringerte Zuweisungen bei Fördergeldern und investiven Beträgen.

Ausreden statt Lösungssuche – auf Kosten des Kindeswohls

Ausrede Eins: Zu geringe Schülerzahlen. Geschuldet ist dieser Umstand dem Geburtenrückgang in Deutschland. Bezogen auf die ländlichen Regionen ziehen in der Folge der Schließungen viele Menschen vom Land fort. Fatal für die Städte, die die Grundschüler aufnehmen. Dort kommt es – eben, weil viele Schulgebäude bereits außer Betrieb sind – zu Bildungsengpässen. Wiederum zahlen die Kinder den Preis durch schlechtere Bildungsbetreuung. Lösungen bieten die (Spar)Schulverwaltungsämter nicht an.

Ausrede Zwei: Sanierungsbedarf in Millionenhöhe. Bleibt die Frage an die Zuständigen, was in 23 Jahren denn im Osten aufgebaut wurde? Museen, Wirtschaftsstandorte, doch keine Schulen, vor allem keine Grundschulen. Sanierungsstau hilft rückblickend nicht sparen, sondern führt zu noch größeren Löchern in den Staatssäckeln. Auch hierzu stehen die befragten Landräte und Schulverwaltungen ratlos vor den empörten Eltern. Selbstverständlich ebenfalls ohne Lösungsangebot.

Ländliche Grundschulen, deren Schließung derzeit diskutiert wird

Praxisbeispiele für das Freiziehen gibt es in vielen Bundesländern. Besonders drastisch findet es derzeit in Thüringen statt, hier insbesondere im Landkreis Sonneberg. Seit vielen Monaten sollen dort fünf von 27 Grundschulen geschlossen werden. Doch so leicht machen es die »Dörfler« den Verwaltungen nicht. Bürgerinitiativen gründeten sich, sanierten selbst, was mit handwerklichem Geschick möglich war und liefen Sturm bei allen Amtsträgern.

Ein Beispiel für das einhellige Nein zum weiteren Ausverkauf der Bildungspolitik ist die Bürgerinitiative Hasenthal. Das Dorf ist Teil des Gemeindeverbandes Oberland am Rennsteig. Die Grundschule hat knapp 50 Grundschüler und einen hohen Sanierungsbedarf. Demgegenüber steht wiederum der Preis, den die betroffenen Grundschüler zahlen würden. Sie müssen bei Schließung bereits mit sechs bis zehn Jahren täglich 11, 18 oder 23 Kilometer zu Ersatzschulen fahren.

Möglich ist es! Vorausschauend umdenken, statt die Zukunft wegzuplanen

Die Mitwirkenden dieser Bürgerinitiative drehten den Sparspieß um: Sie brachten zu jedem Vorsprachetermin eine Mappe voller möglicher Lösungen mit. Schließlich bekannte eine der Angesprochenen: »Wenn wir Ihre Grundschule ausnahmsweise erhalten, dann könnte Ihr Beispiel Schule machen! « Damit ist auf den Punkt gebracht, was die Falsch-Sparer nach 23 Jahren Fehlkalkulation ängstigt: Dass die Bürger sich wehren und demokratisch »gewinnen« könnten.

Weiterhin werden in den Amtsstuben Zahlen »Spiele« betrieben. Ein Umdenken von unten nach oben, also mehr kommunale Verantwortung unter Einbeziehung der Bürger, könnte die Schließungswelle aufhalten. Dazu müssten die verantwortlichen Bildungspolitiker ihr Versagen eingestehen. Möglich ist es, trotz Sanierungsbedarf und sinkender Schülerzahlen Grundschulen im ländlichen Raum zu erhalten. Die Bürgerinitiative Hasenthal kann dazu Fakten in Euro und Zeiträumen vorlegen. Übrigens lehnten die Kreistagsabgeordneten bei der Kreistagssitzung am 16.10.2013 die Schließung der Grundschule Hasenthal mehrheitlich ab. Bleibt zu wünschen, dass dieses Beispiel tatsächlich »Schule macht«.

Sebastian Fiebiger

Was denkst Du über die kommunale Bildungspolitik? Bist Du selbst betroffen? Schreib uns Deine Meinung und Erfahrungen! Wir freuen uns über Deinen Kommentar – direkt unter diesem Artikel. Du hilfst damit auch anderen Lesern.


1 Statement GEW Sachsen-Anhalt zur fehlerhaft proklamierten Rotstiftpolitik
2 Zeitungsartikel zur Ausredensuche im Fall der Grundschule Hasenthal
3 Webseite der Bürgerinitiative Hasenthal
4 Webseite der Gemeinde Hinternah

💬︎ 1 Kommentar
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Kommentare:
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Zu diesem Beitrag gibt es erst 1 Kommentare. Schreib uns Deine Meinung!
  • 🕝 Ines Bader

    Der Artikel rüttelt hoffentlich genügend Elternköpfe und Amtsschimmel aus ihrer Trägheit. Na klar – wer sollte sich denn auch wo ansiedeln wollen, wo sowas läuft? Oh Mann, dankeschön, und liebe Eltern & Verwandte, bitte lesen, meckern, aktiv werden! Überall!

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