Syrien
Nato-Analyse: Russische Luftschläge sind effektiv

Die russischen Luftstreitkräfte bekommen aus ganz unerwarteter Richtung Lob. Die NATO stellt den russischen Luftschlägen in Syrien ein gutes Zeugnis aus.

US-Luftangriff auf Kobane

US-Luftangriff auf Kobane (Archivbild: Orlok / Shutterstock)

Brüssel (dts Nachrichtenagentur) – Das westliche Militärbündnis Nato hat der in Syrien eingesetzten russischen Luftwaffe ein hohes Maß an Professionalität bescheinigt. Dies berichtet das Nachrichtenmagazin „Focus“ unter Berufung auf eine vertrauliche Nato-Analyse aus Brüssel. Obwohl die Kampfflugzeuge der russischen Streitkräfte der nordatlantischen Allianz zahlenmäßig unterlegen seien, erzielten die Kreml-Piloten bei Einsätzen gegen das Terrornetzwerk IS und andere Rebellengruppen insgesamt eine größere Wirkung.

Bis zu 75 Einsätze pro Tag

Grund dafür sei die höhere Frequenz der russischen Luftangriffe, zitiert der „Focus“ aus dem Geheimpapier. Demnach flogen rund 40 der bei Latakia stationierten russischen Kampfjets zuletzt bis zu 75 Einsätze pro Tag. Die Luftschläge seien „präzise und effizient“. Die Nato-Flotte mit insgesamt 180 Maschinen griff dem Bericht zufolge täglich lediglich 20 Ziele am Boden an. Laut Nato galten bislang nur 20 Prozent der russischen Angriffe der IS-Miliz. Die übrigen Attacken richteten sich gegen Anti-Assad-Milizen, von denen einige vom Westen unterstützt werden.

Keine Angaben über zivile Opfer

Bei der Zielerfassung greifen die Kreml-Piloten laut „Focus“ auf die syrische Luftbild-Aufklärung zurück. Zudem markierten russische Spezialeinheiten und Spione vor Ort strategisch wichtige Einrichtungen. Über die bei den Angriffen der alliierten und russischen Luftstreitkräfte getöteten Zivilisten gibt es in dem Geheim-Dokument keine Angaben, schreibt das Nachrichtenmagazin weiter.

NATO-Chef Stoltenberg: Russland hat die Situation verschlimmert

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat Russland für eine die Verschärfung der Situation in Syrien verantwortlich gemacht. Die humanitäre Lage der Menschen habe sich seit dem Eingreifen Russlands verschlechtert, sagte Stoltenberg während eines Besuchs des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu im NATO-Hauptquartier in Brüssel am Montagabend. Die NATO stehe an der Seite der Türkei und die Türkei an der Seite der NATO, so Stoltenberg.

Türkei: Russland kämpft nicht gegen den IS

Davutoglu beklagte während der gemeinsamen Pressekonferenz, Russlands Militäreinsatz in Syrien richte sich nicht gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat“. Die Solidarität der NATO entscheide über die Zukunft der Sicherheitslage in der Region. Er wünsche sich dort mehr NATO-Präsenz, so Davutoglu.

Kommentar

Dass die russischen Streitkräfte im Sinne ihrer eigenen Ziele erfolgreich sein können, durfte wohl kaum bezweifelt werden. Die Kritik der letzten Monate richtet sich gegen eben diese Zielvorgaben. Russland will das Assad-Regime stabilisieren, um die eigenen Militärstützpunkte in Syrien – und damit die Präsenz im Nahen Osten – zu sichern. Assad hat in diesem Krieg mit weitem Abstand die meisten zivilen Opfer zu verantworten und auch die russische Armee ist nicht gerade für ihr rücksichtsvolles Vorgehen bekannt.

Verhandlungen werden schwieriger

Weitere russisch-syrische Geländegewinne dürften die Verhandlungen über einen Waffenstillstand erschweren. Denn warum sollte Assad Zugeständnisse machen, wenn der Krieg in seinem Sinne verläuft? Das könnte nur auf Druck Russlands geschehen und den lässt sich Putin mit Sicherheit gut „bezahlen“ – zum Beispiel mit einer Lockerung oder gar Aufhebung der Sanktionen gegen sein Land.

Russland hat einen Plan

Im Gegensatz zum Westen ist die mittelfristige Perspektive für den Kreml jedenfalls klar. Und man hat – über die Luftschläge hinaus – mit Assads Truppen verlässliche Bodenstreitkräfte.

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6 Kommentare
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  • 🕝 Steffen Schröter

    Russland ist als einzige Luftstreitmacht legal in Syrien aktiv , weil es eben im Gegensatz zu den westlichen Militärbündnissen von der syrischen Regierung um Hilfe im Kampf gegen den IS gebeten wurde !! Hätte der Westen nicht unablässig in allen arabischen und nordafrikanischen Ländern die Regierungen untergraben , die Lage in den jeweiligen Ländern mit vielen US-Dollar destabilisiert , um nach deren Sturz gefügigere Staatsoberhäupter einzusetzen , dann wäre die Lage jetzt nicht so eskaliert !! Die USA haben im eigentlichen Sinne durch den Krieg im Irak und auch in Afghanistan erst den IS hervorgerufen !! Das Russland eingegriffen hat im Kampf gegen den IS kann man nur befürworten !! Außerdem war der Westen nur daran interessiert , Assad zu stürzen . Ihm wurden Greueltaten unterstellt , die er gar nicht durchführen konnte ( ich denke nur an den Giftgasangriff , wo klar bewiesen wurde , dass das Assad nicht gewesen sein konnte , sondern die vom Westen ünterstützten Rebellen diesen Angriff gegen die eigene Bevölkerung durchführten , aber eine Richtigstellung der Tatsachen fand nie statt , wie immer !! ) . Syrien war vor der Intervention durch den Westen das Land mit der höchsten Schulbildung und der geringsten Arbeitslosigkeit im Land ! Der Lebensstandart gegenüber den anderen nordafrikanischen Ländern war überdurchschnittlich hoch , bis die USA und in deren Gefolge ,der Rest des Westens , der Meinung war , Assad muss weg !! Das Ergebnis kennt jeder und nun kämpft Russland gegen den IS für Assad und das ist gut so !! Die Rebellen , die vom Westen unterstützt werden , sind an einem Friedensprozess nicht interessiert , wie sich ja jetzt wieder bei jüngsten Verhandlungen gezeigt hat !! Um die Lage zu stabilisieren sind Assad und auch Russland unumgänglich !!!

  • 🕝 Rainer Schmidt

    @ Steffen: Du hast 100% recht, Danke

  • 🕝 gaucho

    Ich begrüße die russischen Angriffe sowohl auf IS- wie auch auf Rebellenstellungen. Mir soll es recht sein, wenn Assad wieder die Macht in Syrien übernimmt, wenn nur diese unseligen Kämpfe in diesem Land endlich aufhörten. Nur einen Rachefeldzug gegen seine Opposition sollte Assad unterlassen.

  • 🕝 H. G. Adams

    Egal welchen Kommentar dieser Jornalist schreibt, ist immer persönlich eingefärbt. Seine Wertungen werden dargebracht. Von Neutralität in der Berichterstattung ist keine Spur zu finden. Das ist nicht Jornalismus sondern Populismus.

    Ein der wichtigsten Werte in Europa war die Pressefreiheit. Ich vermisse Sie!

  • 🕝 Sebastian (Redaktion)

    Ich bin „dieser Journalist“. Pressefreiheit ist doch gerade, dass ich schreiben darf, was ich denke. Der Kommentar (= Meinung) ist klar als solcher gekennzeichnet und von der Berichterstattung (= Meldung) getrennt.

    Bei uns wird beides sogar von verschiedenen Personen erstellt. Die Meldung kommt von der Nachrichtenagentur, der Kommentar von mir.

    Sowohl die Agentur als auch wir gehören keinen großen Medienkonzern an. Wir haben keine Kredite, Förderung, kein VC oder sonstige Abhängigkeiten.

    Mehr „Pressefreiheit“ wirst Du kaum finden. Ich weiß auch nicht, wo Du das früher gefunden hast, wenn Du es jetzt vermisst? Bei den großen Verlagskonzernen mit ihren zahlreichen Verflechtungen in Politik und Wirtschaft? Das Netz hat solche unabhängigen Modelle wie uns doch erst möglich gemacht.

  • 🕝 Anonymous

    Wie der erste Beitrag schon ausführte, ist ausschließlich Russland legal in Syrien, alle anderen sind illegale Aggressoren und haben dort nichts zu suchen. Daß Russland neben dem IS auch die anderen Terroristen bekämpft ist logisch, notwendig und Voraussetzung für eine Befriedung des Landes. Die Nato dagegen schont und pampert die Terroristen und ist an einer echten Bekämpfung dieser Assad-Gegner gar nicht interessiert. Gerade was Assad betrifft, wird schon lange ein Popanz aufgebaut. Man entblödete sich nicht einmal, ihm ausgerechnet an dem Tag vor zwei Jahren einen „Giftgasangriff auf die eigene Bevölkerung“ anzudichten, an dem die zuständige UN-Untersuchungsgruppe in Syrien eintraf. Assad als gewählter Präsident ist die einzige Person, die Syrien wieder vereinen kann. Die Alternative wäre nach dem Irak und Libyen ein weiterer zerstörter Staat in unserer Nachbarschaft. So gesehen sollten Deutschland und die EU an möglichst großen russischen Erfolgen interessiert sein.

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