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    Hausärzte: Freiheiten von Kindern nicht von Impfung abhängig machen » Nachrichten

    News RedaktionNews Redaktion28.05.21↻ 15.11.21
    Impfspritze mit Impfstoff von Biontech, über dts Nachrichtenagentur
    Foto: Impfspritze mit Impfstoff von Biontech, über dts Nachrichtenagentur

    Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Chef des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, hat gefordert, die Rückkehr zum gesellschaftlichen Leben von Kindern und Jugendlichen nicht von den Impfungen abhängig zu machen. "Es waren die Kinder und Jugendlichen, die ihre Freiheiten über ein Jahr für den Schutz der Älteren zurückgestellt haben", sagte er der "Rheinischen Post" (Freitagausgabe). "Nun liegt es an den Erwachsenen, Solidarität zu zeigen und alles daran zu setzen, ihnen schnellstmöglich ihre Rechte zurückzugeben - und das nicht nur auf Schule, sondern auch auf Gemeinschaft, auf Freizeitaktivitäten, auf Sport."

    Da gebe es in der aktuellen Situation durchaus mehr Möglichkeiten als nur die sofortige Impfung. "Die derzeitigen Einschränkungen, die die Kinder und Jugendlichen erfahren, basieren schließlich auf politischen Entscheidungen." Zugleich kritisierte er die vorsorgliche Zurückhaltung von Impfdosen für Kinder und Jugendliche scharf. "Ob und wogegen Kinder und Jugendliche geimpft werden sollen, kann nur nach medizinischen und wissenschaftlichen Gesichtspunkten beantwortet werden und nicht nach politischen. Heißt: Aktuell fehlt für diese Altersgruppe sowohl die Zulassung als auch die Empfehlung." Unter diesem Gesichtspunkt sei es "völlig absurd", Impfdosen zurückzuhalten, anstatt sie sofort zu verimpfen, sagte Weigeldt. Die Bildungsgewerkschaft GEW kritisierte hingegen, dass Bund und Länder den Impfstoff nun auch für Kinder und Jugendliche freigeben wollen, "obwohl die Ständige Impfkommission (Stiko) voraussichtlich etwas anderes empfehlen wird", sagte die Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, der "Rheinischen Post". Und weiter: "Wenn die Stiko empfiehlt, nicht einfach alle Kinder und Jugendlichen zu impfen, sondern nur die mit Vorerkrankungen, sollte man sich danach richten", sagte Tepe. "Da Erwachsene von schwerem Covid-19-Verlauf viel häufiger betroffen sind, sollte alles Personal in Kita und Schule nun möglichst schnell und vollständig ein Impfangebot erhalten." Das sei ein wichtiger Beitrag dafür, dass Kitas und Schulen sicherer öffnen können. Ärztepräsident Klaus Reinhardt warnte hingegen vor wachsendem politischem und gesellschaftlichem Druck auf Eltern, ihre Kinder impfen zu lassen. "Die Datenlage zu Risiken und Nutzen einer möglichen Corona-Impfung bei Kindern und Jugendlichen ist derzeit noch so unzureichend, dass man keine Empfehlung abgeben kann", sagte er der Zeitung. "Deshalb ist es richtig, dass die Ständige Impfkommission mit Bedacht analysiert, wie groß die Gefährdung der Kinder durch Sars-Cov-2 tatsächlich ist. Es sollte jetzt auch kein politischer und gesellschaftlicher Druck ausgeübt werden, Eltern zur Impfung ihrer Kinder zu drängen", sagte der Präsident der Bundesärztekammer. Insofern sei auch die Klarstellung von Bund und Ländern wichtig, dass ein sicherer Schulbetrieb unabhängig davon gewährleistet wird, wie viele Schüler ein Impfangebot wahrnehmen. "Schon gar nicht darf die Teilnahme am Präsenzunterricht von einer Impfung abhängig gemacht werden. Dies wäre nichts anderes als eine Corona-Impfpflicht durch die Hintertür", warnte Reinhardt. Er forderte Bund und Länder eindringlich auf, den Arztpraxen genügend Impfstoff bereitzustellen. "Dass die Impfungen von Kindern und Jugendlichen vor allem in den Praxen erfolgen sollen, setzt zwingend eine ausreichende Belieferung der niedergelassenen Haus- und Fachärzte mit Vakzinen voraus. Derzeit aber reichen die verfügbaren Kapazitäten noch nicht aus", sagte Reinhardt. Das Praxispersonal müsse deshalb viel Zeit für diejenigen Patienten aufwenden, die bei den Impfungen noch nicht zum Zuge kommen und deshalb frustriert sind. "Diese Frustwelle darf sich keinesfalls fortsetzen oder gar verstärken. Die Bundesländer sollten deshalb dringend zusätzliche Angebote für diese Altersgruppen auch in den Impfzentren schaffen", forderte er.

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