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    Home»Nachrichten»Offizielle Kriminalitätsrate fällt auf neuen Tiefstwert

    Offizielle Kriminalitätsrate fällt auf neuen Tiefstwert - Nachrichten

    News RedaktionNews Redaktion01.04.19↻ 08.03.23
    Polizei in einer Fußgängerzone, über dts Nachrichtenagentur
    Foto: Polizei in einer Fußgängerzone, über dts Nachrichtenagentur

    Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Zahl der in Deutschland polizeilich erfassten Straftaten ist auf den tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung gesunken. Das geht aus der bundesweiten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2018 hervor, die Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Dienstag in Berlin vorstellen will und über welche die "Welt" (Dienstagsausgabe) berichtet. Die PKS weist für das vergangene Jahr insgesamt 5,55 Millionen Straftaten aus, was gegenüber dem Jahr 2017 eine Abnahme um 3,6 Prozent entspricht.

    Bereits die PKS 2017 (5,76 Millionen Straftaten, minus 9,6 Prozent) hatte einen Tiefstand verzeichnet - den stärksten Rückgang seit 1993. Die Aufklärungsquote stieg bundesweit leicht um 0,6 Prozent auf 57,7 Prozent. Die Zahl der Tatverdächtigen sank um 2,9 Prozent auf 2,05 Millionen. Etwa ein Drittel aller Straften entfällt wie in den Vorjahren auf Diebstahlsdelikte. So wurden weniger Kraftfahrzeuge (30.232, minus 9,1 Prozent) und Fahrräder (292.015, minus 2,7 Prozent) gestohlen. Der Taschendiebstahl nahm erheblich ab, um 18,2 Prozent auf 104.196 Fälle.

    Beim Ladendiebstahl gab es einen Rückgang um 4,1 Prozent auf 339.021 Fälle. Vor allem bei der Bekämpfung des Wohnungseinbruchsdiebstahls kann die Polizei Erfolge verbuchen. Die Zahl sank auf einen historischen Tiefstand (97.504 Fälle, minus 16,3 Prozent). Leicht stieg hingegen der sogenannte Tankbetrug (Benzindiebstahl) auf 72.424 Fälle - plus 1,3 Prozent. Deutlich zugenommen hat demgegenüber die Verbreitung pornografischer Schriften, um 13,6 Prozent auf 11.435 Fälle. Bereits in die PKS 2017 hatte hier einen Zuwachs verzeichnet (10.066 Fälle, plus 12,9 Prozent). Nochmals angestiegen sind jetzt die Rauschgiftdelikte, um 6,1 Prozent auf 350.662 Fälle. Dies ist offenbar ein Trend, denn hierbei handelt es sich um einen Zuwachs im siebten Jahr in Folge. Beim Delikt "Widerstand gegen Staatsgewalt", etwa gegen Polizeivollzugsbeamte und Vollstreckungsbeamte, gibt es sogar eine Zunahme um 39,9 Prozent auf 34.168 Fälle.

    Allerdings muss man berücksichtigen, dass am 23. Mai 2017 neue Straftatbestände geschaffen wurden und sich die Zahl deshalb mit der Zeit davor nur einschränkt vergleichen lässt. "Es ist erschreckend, wie sich die Gewalt gegenüber Polizeibeamten Bahn bricht. Statistisch gesehen wurden meine Kolleginnen und Kollegen im vergangenen Jahr etwa 32 Mal pro Tag tätlich angegriffen", sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, der "Welt". Zähle man die Widerstandsdelikte dazu seien es fast 94 täglich. "Es überrascht vor diesem Hintergrund nicht, dass die Polizei größeren Wert auf Eigensicherung legt und distanzierter auftritt." Bei der Computerkriminalität, den Straftaten mit der Tatwaffe Computer, sind laut PKS 110.475 Fälle (plus 1,8 Prozent) polizeilich registriert worden.

    Darunter sind solche Vorfälle: Hacker dringen unbemerkt in die Systeme von Firmen und staatlichen Institutionen ein und saugen oft große Datenmengen ab. Andere Straftäter legen durch Attacken auf Computer Unternehmen vorübergehend lahm, um Schutzgeld zu erpressen. Das Dunkelfeld ist dabei hoch. Eine weitere Ursache für die relativ geringen Fallzahlen dürfte eine Umstellung der Kriminalstatistik sein. Denn seit dem Jahr 2014 wurde damit begonnen, nur noch diejenigen Delikte statistisch zu berücksichtigen, bei denen der Ausgangspunkt der Straftat "innerhalb Deutschlands" liegt. In vielen Fällen stehen die Server aber eben im Ausland. Beim Computerbetrug, für den eine Freiheitstrafe von bis zu fünf Jahren verhängt werden können, sind es 89.901 Fälle (plus 4,1 Prozent). Zum Computerbetrug gehört zum Beispiel, sich durch rechtswidrig erlangte EC- und Kreditkarten einen "Vermögensvorteil" zu verschaffen.

    Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Sebastian Fiedler, sagte der "Welt", dass die PKS die tatsächliche Kriminalitätsbelastung nur eingeschränkt wiedergebe. Stattdessen forderte er "Periodische Sicherheitsberichte", die künftig durch ein unabhängiges Expertengremium erarbeitet und alle zwei Jahre vorgestellt werden sollten. "Ein solcher Bericht muss Darstellungen zur Kriminalität im Hell- und Dunkelfeld sowie Gefahrenlagen, ein Opferlagebild, die Aktivitäten zur Kriminalprävention sowie zu den prognostisch für die Kriminalitätsbekämpfung bedeutenden Trends enthalten", verlangte Fiedler. Dann erst hätten Politik, Öffentlichkeit und Sicherheitsbehörden eine adäquate Entscheidungsgrundlage für kriminalpolitische Entscheidungen. Das Thema Sicherheitsbericht steht im Koalitionsvertrag und die Grünen haben kürzlich einen eigenen Antrag dazu im Bundestag eingebracht.

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