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    Fresenius-Chef kritisiert Folgen des neuen Pflegekräftegesetzes - Nachrichten

    News RedaktionNews Redaktion13.05.19↻ 28.02.23
    Krankenhaus, über dts Nachrichtenagentur
    Foto: Krankenhaus, über dts Nachrichtenagentur

    Bad Homburg (dts Nachrichtenagentur) - Fresenius-Chef Stephan Sturm hat die Folgen des neuen Pflegekräftegesetzes, welches zum Jahresbeginn in Kraft getreten ist, scharf kritisiert. "Wir müssen uns tatsächlich die Frage stellen, inwieweit das Ganze finanzierbar ist", sagte Sturm der "Welt" (Montagsausgabe). "Wenn alle Pflegekräfte in bestimmten Abteilungen komplett von den Kassen erstattet werden, wie es das Gesetz vorsieht, ist das eine Abkehr vom Gedanken, Verschwendung zu vermeiden."

    Er sei gespannt, wie sich das auf die Kosten im System und die Krankenkassenbeiträge auswirken werde: "Sinkende Beiträge werden wir wohl kaum sehen." Das von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf den Weg gebrachte Gesetz schreibt seit Jahresbeginn in allen deutschen Krankenhäusern verpflichtende Untergrenzen für das Pflegepersonal in bestimmten Abteilungen vor. Die Klinikbetreiber haben erhebliche Probleme, die offenen Stellen mit qualifizierten Kräften zu besetzen. Sinkende Fallzahlen wegen der zuletzt gestiegenen Fluktuation von Ärzten und Pflegern sind auch der Grund, warum die Fresenius-Kliniktochter Helios im ersten Quartal einen deutlichen Gewinnrückgang verbuchen musste.

    Dieses Problem sei ein bundesweites Phänomen, sagte Sturm dazu. "Grundsätzlich ist eine gewisse Fluktuation bei den Ärzten gesund, zuletzt war sie allerdings deutlich höher, als ich mir das gewünscht habe." Fresenius hatte für 2019 eine Stagnation beim Gewinn in Aussicht gestellt. "Aber der Ehrgeiz ist natürlich da, unsere lange Serie von Gewinnsteigerungen nicht abbrechen zu lassen, selbst wenn das Plus nur klein ausfällt. Einen Rückgang gilt es auf alle Fälle zu vermeiden", so der Vorstandschef. Auf der bevorstehenden Hauptversammlung am 17. Mai dürfte die zweifache Gewinnwarnung des vergangenen Jahres eine große Rolle spielen. "Selbstverständlich tut es weh, wenn man langjährige Investoren enttäuscht. Aber ich sehe die Rückschläge des vergangenen Jahres eher als Ansporn, das Vertrauen zügig zurück zu gewinnen", sagte Sturm.

    Kritik äußerte der Vorstandschef an der zunehmenden Tendenz großer Investoren, die Vorschläge an eine Hauptversammlung von Stimmrechtsberatern prüfen zu lassen. Deren Kriterienkatalog sei relativ starr, kritisierte Sturm: "Auf Besonderheiten wird keine Rücksicht genommen. Das fördert nicht gerade das Vertrauensverhältnis zwischen Unternehmen und ihren langfristig orientierten institutionellen Investoren." Fresenius werde den "sehr strengen Anforderungen" an Dividende und Ausschüttungsquote meistens nicht gerecht, obwohl der Konzern als einziges börsennotiertes Unternehmen in Deutschland die Dividende bereits zum 26. Mal in Folge erhöht habe. "Die Unternehmen sollten sich besser verteidigen können, etwa wenn einzelne Aktionäre versuchen, die Beschlüsse einer Hauptversammlung durch Zeitschinderei bis nach Mitternacht ungültig zu machen", forderte er.

    Auf die Frage, ob ein Vorstandschef seinen Hut nehmen sollte, wenn ihn die Mehrheit der Hauptversammlung nicht entlastet, sagte Sturm: "Ein Vorstand muss dann gehen, wenn der Aufsichtsrat nicht mehr hinter ihm steht oder wenn ihm mehrfach das Vertrauen der Basis entzogen wird. Einen einmaligen Denkzettel, der alle möglichen Ursachen haben kann, halte ich hingegen für tolerabel."

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