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    Home»Nachrichten»Historiker Rödder: "Die Klimabewegung ist undemokratisch"

    Historiker Rödder: "Die Klimabewegung ist undemokratisch" - Nachrichten

    News RedaktionNews Redaktion01.11.19↻ 06.01.23

    Extinction Rebellion, über dts Nachrichtenagentur
    Foto: Extinction Rebellion, über dts Nachrichtenagentur

    Mainz (dts Nachrichtenagentur) - Der Professor für Neueste Geschichte an der Johnannes-Gutenberg-Universität Mainz, Andreas Rödder, wirft den Aktivisten für mehr Klimaschutz Missachtung demokratischer Standards vor. "Die Klimaaktivisten akzeptieren andere Meinungen nicht, weil sie ihre eigene Meinung für wissenschaftlich alternativlos halten. Die Klimabewegung ist undemokratisch", sagte Rödder den Zeitungen des "Redaktionsnetzwerks Deutschland" (Samstagausgaben).

    Die Klimaaktivisten erhöben, mit Verweis "auf das, was sie für objektive Wissenschaften und unbestreitbare Befunde halten", einen Anspruch auf "Wahrheit, den sie mit dem Konzept des allgemeinen Willens des Philosophen Jean-Jacques Rousseau" verbänden. Das bedeute: "Sie erheben einen uneingeschränkten Deutungsanspruch, das Gemeinwohl zu kennen. Demokratie besteht aber immer aus dem Wettbewerb von unterschiedlichen Meinungen. Genau hier liegt das Problem", so der Geschichtsprofessor weiter. Als Historiker sei er "einerseits extrem skeptisch gegenüber wissenschaftlichen Absolutheitsansprüchen".

    Einen solchen Absolutheitsanspruch habe auch der Marxismus im sowjetischen Kommunismus erhoben. "Auf der anderen Seite leuchtet mir ein, dass die klimawissenschaftlichen Aussagen mit hoher Wahrscheinlichkeit richtig sein dürften", sagte Rödder. Es gebe keinen intellektuell überzeugenden Ausweg aus dem beschriebenen Dilemma, sondern nur einen pragmatischen. "Auf der einen Seite werde ich weiter die Absolutheit der klimapolitischen Ansprüche zurückweisen", so der Historiker weiter. Auf der anderen Seite halte er es "für klug, eine möglichst umfangreiche Klimapolitik zu betreiben".

    Im Nachhinein "wäre der Schaden fraglos am größten", wenn sich die Vorhersagen als richtig erwiesen, man aber "nichts oder zu wenig unternommen" habe. Zu den Protestaktionen von Extinction Rebellion sagte Rödder, die Blockade von Kreuzungen überschreite keine Grenzen, die in der Demokratie nicht auszuhalten wären. "Mein Eindruck ist aber, dass bei Extinction Rebellion gewaltsames Eskalationspotenzial in der Bewegung steckt", so der Geschichtsprofessor weiter. Extinction Rebellion erhebe noch einmal stärker als andere für sich den Anspruch auf Wahrheit. "In der Geschichte hat sich immer wieder gezeigt, dass dies mit immer weiterer Radikalisierung einhergehen kann", sagte Rödder den Zeitungen des "Redaktionsnetzwerks Deutschland". Der Staat müsse Extinction Rebellion "also genau im Auge behalten".

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