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    Home»Nachrichten»Corona»Modellierer fürchtet Corona-Folgen für kritische Infrastruktur

    Modellierer fürchtet Corona-Folgen für kritische Infrastruktur » Corona

    News RedaktionNews Redaktion07.10.22↻ 08.10.22
    Mann mit Maske
    Droht eine große Herbstwelle? Foto: DimaBerlin | Shutterstock

    Der Pandemie-Modellierer Thorsten Lehr von der Universität Saarland fürchtet für die kritische Infrastruktur einen schweren Corona-Herbst.

    Saarbrücken (dts Nachrichtenagentur) - "Die Herbstwelle wird wahrscheinlich schwerer werden, als uns lieb ist", sagte Lehr der "Welt" (Samstagausgabe). Er erwartet für Oktober in den meisten Bundesländern vierstellige Inzidenzen.

    Werden planbare Operationen wieder verschoben?

    Grundsätzlich könne man zwar hohe Inzidenzen über einen längeren Zeitraum ganz gut tolerieren; "Wenn man die Gesamtzahl der Infizierten aber auf einen sehr viel kleineren Zeitraum kumuliert, dann erkranken sehr viele Menschen auf einmal und wir haben ein Problem bei der kritischen Infrastruktur", so Lehr, der auch als Professor für Klinische Pharmazie arbeitet. Dann gehe es in den Krankenhäusern nicht mehr um die Zahl der freien Betten, sondern wie viele Betten überhaupt noch vom Personal betrieben werden können. "Ich gehe davon aus, dass diesen Herbst und Winter erneut planbare Operationen verschoben werden müssen."

    Lehr plädiert dafür, dass die Bundesländer nun weitergehende Schutzmaßnahmen verhängen. "Ich halte eine Maskenpflicht in Innenräumen grundsätzlich für eine sinnvolle und kostengünstige Maßnahme." Die Frage, wie stark sich davon die Infektionszahlen beeinflussen lassen, sei allerdings sehr schwierig zu prognostizieren. Man wisse auch im dritten Pandemiejahr nicht, wo die Infektionen stattfinden. "Wir haben immer noch keine Ahnung, ob sich die Leute wirklich im Restaurant oder Supermarkt anstecken. Das ist und bleibt ein großes Problem", so Lehr. Von einer Maskenpflicht in Restaurants hält er nichts. Es werde eher darauf ankommen, wie gut die Lüftung und die Filteranlage ist.

    Impfnachweis als Zugangsvoraussetzung nicht geeignet

    "Hilfreich könnte es auch sein, als Zutrittsvoraussetzung ein negatives Testergebnis vorzuschreiben. Das würde mehr bringen als eine Maskenpflicht, die ohnehin kaum angewendet wird." Den Impfstatus als Zugangsbeschränkung vorzuschreiben, sei weniger sinnvoll. "Die Impfung schützt vor schwerer Erkrankung, nicht vor Infektion. Den Impfstatus abzufragen, bringt bei Einlasskontrollen nichts und macht alles nur sehr kompliziert", so Lehr. Zudem seien nur wenige Bürger schon mit den neuen angepassten Impfstoffen geimpft. Darüber hinaus seien durch die Schutzmaßnahmen und die Isolation in den letzten zwei Jahren auch andere Viren nicht übertragen worden, die normalerweise saisonal auftreten.

    "Wegen der ausbleibenden Immunität wird es daher jetzt zu vielen Erkrankungen kommen", so Lehr. So habe man zum Beispiel in Australien dieses Jahr eine heftige Influenza-Saison gesehen. "In Deutschland erwarte ich den Höhepunkt der Influenza-Welle im Januar oder Februar. Die Verläufe können dabei schwerwiegend sein", so der Pharmazie-Professor. Er empfehle deshalb allen Älteren und Risikogruppen eine Impfung.

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