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    Home»Nachrichten»Zweite Corona-Ansprache der Bundeskanzlerin im Wortlaut

    Zweite Corona-Ansprache der Bundeskanzlerin im Wortlaut - Nachrichten

    News RedaktionNews Redaktion03.04.20↻ 25.11.22

    Bundeskanzleramt, über dts Nachrichtenagentur
    Foto: Bundeskanzleramt, über dts Nachrichtenagentur

    Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich am Freitag erneut mit einer Video-Ansprache zur Coronakrise an die Bevölkerung gewandt. Hier der Text im Wortlaut:

    "Guten Tag, liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, ich bin froh, mich heute wieder aus dem Kanzleramt an Sie wenden zu können. Meine häusliche Quarantäne ist vorbei, und mir geht es gut. Jetzt ahne ich: 14 Tage allein zu Hause, 14 Tage nur am Telefon und im Netz mit der Welt verbunden zu sein, das ist nicht leicht. Ganz besonders nicht für die vielen älteren oder erkrankten Menschen in dieser Zeit, die alleine zu Hause sein müssen, weil das Virus für sie eine große Gefahr darstellt - und die nicht, wie ich, nach knapp zwei Wochen schon wieder aus der Wohnung können. Mein herzlicher Gruß und alle meine guten Wünsche gehen an Sie, die Sie jetzt in dieser Situation sind. Es ist mir wichtig, noch einmal zu sagen, was mich und die Bundesregierung im Kampf gegen das Coronavirus bewegt und was uns bei unseren Entscheidungen leitet. Denn in der kommenden Woche geht es auf das Osterfest zu - und das ist eine ganz besondere Zeit. Ostern, das ist für Millionen von Christen der Kirchgang, das ist der Ostersonntag mit der ganzen Familie, vielleicht ein Spaziergang, Osterfeuer, das ist für viele ein kurzer Urlaub an der See oder im Süden, wo es schon wärmer ist. Normalerweise. Aber nicht in diesem Jahr. Das ist es, was ich Ihnen heute sagen muss: Wir alle werden eine ganz andere Osterzeit erleben als je zuvor. Natürlich werden die Christen in Deutschland den Karfreitag begehen und den Ostersonntag der Auferstehung - aber nicht in der Kirche, Seite an Seite mit den anderen Gemeindemitgliedern. Ich bin froh, dass die Kirchen es schon in den letzten Wochen so wunderbar geschafft haben, mit Gottesdiensten im Fernsehen, Radio und im Netz so viele Menschen zu erreichen. Es werden an Ostern sicher noch weit mehr sein. Ich denke in diesem Zusammenhang auch an die Juden und Muslime in Deutschland und alle anderen Gläubigen, die jetzt nicht in ihren Gotteshäusern zusammenkommen können. Das ist eine dieser Einschränkungen, die wirklich an den Kern einer Gesellschaft gehen und die wir nur im Notfall und nur so lange wie unbedingt erforderlich hinnehmen können. Auch einen Osterspaziergang kann es nur nach den Regeln geben, die seit gut zwei Wochen überall gelten: also nur mit den Familienangehörigen, mit denen man auch zusammenwohnt, oder mit höchstens einer anderen Person außerhalb dieses Kreises, und immer muss dabei an den nötigen Abstand zu anderen Menschen gedacht werden, mindestens eineinhalb Meter oder besser zwei. Vergessen wir auch nicht, an gründliches und häufiges Händewaschen zu denken. Und auch wenn Sie sich entschließen sollten, einen einfachen Mundschutz zu tragen, denken Sie bitte immer daran, dass er niemals das Einhalten des Abstandes ersetzen kann. Solange es keinen Impfstoff und kein Medikament gegen das Virus gibt, ist die Einhaltung des Abstandes der wirksamste Schutz. Und noch eines und bitte nehmen Sie auch das ernst: Auch Kurzreisen innerhalb Deutschlands, an die See oder in die Berge oder zu Verwandten, kann es dieses Jahr über Ostern nicht geben. Das sind harte Wahrheiten, ich weiß. Wir sind gewöhnt, uns zu bewegen, etwas zu unternehmen, zu reisen, wann wir wollen und wohin wir wollen. Diese persönliche Entfaltung ist ein Grundzug unseres freien Lebens. Und jetzt sind da plötzlich überall Regeln, Einschränkungen, Verbote. Aber sie sind buchstäblich lebenswichtig. Und weil das so ist, erinnere ich Sie und uns alle auch heute - gerade vor der Osterzeit - noch einmal daran. Mancher von Ihnen mag sagen: Wir halten doch jetzt schon mehr als zwei Wochen all diese Regeln ein, wie lange denn noch? Ich verstehe diese Frage. Dennoch würde ich absolut unverantwortlich handeln, wenn ich Ihnen heute einfach einen konkreten Tag nennen würde, an dem die Maßnahmen aufgehoben, zumindest aber gelockert werden könnten, dieses Versprechen dann aber nicht einhalten könnte, weil die Infektionszahlen es nicht zulassen. Wenn ich die mit einem solchen Versprechen verbundenen Hoffnungen enttäuschen würde, kämen wir vom Regen in die Traufe - medizinisch, wirtschaftlich, sozial. Was ich Ihnen aber sehr wohl versprechen kann und versprechen will, das ist, dass Sie sich darauf verlassen können, dass die Bundesregierung und auch ich persönlich tatsächlich Tag und Nacht darüber nachdenken, wie wir beides schaffen können: also sowohl den Gesundheitsschutz für alle als auch einen Prozess, mit dem das öffentliche Leben auch wieder Schritt für Schritt möglich wird. Wir würden unserer Verantwortung nicht gerecht werden, wenn wir darüber nicht nachdächten. Aber genauso würden wir unserer Verantwortung nicht gerecht werden, wenn wir jetzt falsche Hoffnungen wecken würden, indem wir Exit-Stichtage vereinbaren würden, die anschließend der Realität in keiner Weise standhalten würden. Das alles insgesamt im Blick zu haben, das leitet mich. Das ist eine Herkulesaufgabe, und Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, haben einen Anspruch darauf, dass Ihre Bundesregierung und auch ich persönlich sich dieser Herkulesaufgabe stellen. Und genau das tun wir. Das verspreche ich Ihnen. Damit das weiter gelingt, brauche ich, das sage ich ganz offen, auch weiter Ihre Mithilfe. Die Mithilfe, die Sie schon seit Wochen in so wunderbarer Weise geben. Es ist schlichtweg großartig, was in unserem Land von der übergroßen Mehrheit der Menschen geleistet wird. Unser Land zeigt sich von seiner besten Seite. Dafür bin ich unendlich dankbar, und das kann ich Ihnen gar nicht oft genug sagen. Wie wichtig das ist, wird deutlich, wenn wir uns vor Augen führen, wie die Lage ist und warum es notwendig ist, absolut Notwendig, dass wir uns alle weiter an die Regeln, Einschränkungen und Verbote halten: Das Coronavirus breitet sich immer noch mit hoher Geschwindigkeit in Deutschland aus. Ich trauere um die Menschen, die durch diese Krankheit ihr Leben verloren haben, und denke an ihre Angehörigen und Freunde. Täglich werden Tausende neue Infektionen festgestellt, und das heißt automatisch auch, dass täglich viele neue Patienten hinzukommen, die zum Teil auch intensive ärztliche Betreuung und Krankenhausbehandlung brauchen. Noch können wir jedem, auch den Schwererkrankten, die nötige Behandlung geben. Dass es dabei bleibt, das ist das Ziel, das uns leitet. Weil wir eine menschliche Gesellschaft sind. Weil es nicht um Zahlen geht, sondern immer um jeden einzelnen Menschen, dessen unveräußerliche Würde zu achten ist. Es stimmt, dass die jüngsten Zahlen des Robert-Koch-Instituts, so hoch sie sind, ganz vorsichtig ein wenig Hoffnung machen. Denn der Zuwachs an neuen bestätigten Ansteckungen verläuft ein wenig langsamer als vor einigen Tagen noch. Aber es ist definitiv viel zu früh, um darin einen sicheren Trend zu erkennen, und erst recht ist es viel zu früh, um deswegen auch nur an irgendeiner Stelle die strengen Regeln, die wir uns gegeben haben, schon wieder zu lockern. Die Experten sagen uns: Es dauert noch etwas, bevor wir wissen, wie die Maßnahmen, die wir ergriffen haben und vor allem auch die großen Einschränkungen, die Sie alle auf sich nehmen, die Kurve der Ansteckungen abflachen lassen. Das müssen wir wissen, um sicher sein zu können, dass unser Gesundheitssystem mit der gewaltigen Belastung durch die Corona-Epidemie zurechtkommt. In meiner Besprechung mit den Regierungschefs und -chefinnen der Bundesländer am Mittwoch waren wir uns deswegen ganz einig: Alle Leitlinien für das reduzierte öffentliche Leben und alle Leitlinien für die Einschränkung der Kontakte jedes Einzelnen bleiben unvermindert bestehen. Zunächst bis einschließlich 19. April, dem Ende der Osterferien in den meisten Ländern. In welche Richtung es danach geht, wird ganz davon abhängen müssen, an welchem Punkt der Ausbreitung des Virus wir dann in Deutschland stehen und wie sich das in den Krankenhäusern auswirkt. Ich weiß: Es ist eine sorgenvolle Zeit. Da ist die Sorge um die eigene Familie, um den Arbeitsplatz, darum, wie sich unser ganzes Land verändern wird durch diesen Einschnitt, den die Corona-Epidemie bedeutet. Und diese Sorgen kann die Politik bei aller Anstrengung auch nicht einfach wegnehmen. Ich versichere Ihnen aber: Wir werden alles tun, was von staatlicher Seite möglich ist, damit möglichst wenige Ihrer Sorgen Wirklichkeit werden. In den letzten Tagen sind die größten wirtschaftlichen und sozialen Hilfsprogramme angelaufen, die es in Deutschland je gab. Unzählige Anträge auf Zuschüsse, Kredite, Kurzarbeitergeld und viele andere Leistungen sind schon eingegangen und werden so schnell und unbürokratisch wie möglich bearbeitet. Sie alle sollen wissen: Die Bundesregierung steht an Ihrer Seite. Wir tun alles, damit unsere solidarische soziale Marktwirtschaft sich in dieser Prüfung bewährt. Wir alle, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, lernen in dieser Pandemie, fast jeden Tag. Die Wissenschaftler sagen uns das, und für uns Politiker gilt es auch. Ich möchte Ihnen für Ihre Geduld danken und für das Durchhalten. Alle, die jetzt zu Hause bleiben, persönliche Kontakte soweit es geht reduzieren, die Regeln einhalten, tun aktiv etwas Richtiges und Gutes. Und Sie tun auch etwas Gutes, wenn Sie unter diesen schwierigen Bedingungen noch Ideen entwickeln, wie Sie anderen helfen können. Ja, wir müssen Abstand halten. Das hindert uns aber nicht, unseren Mitmenschen mit einem Brief, einem Anruf, einem Skypegespräch, einer kleinen Einkaufshilfe oder auch mit im Netz übertragenen Hauskonzerten unsere Nähe, unsere Zuneigung, unsere Solidarität zu zeigen. Das alles hilft, dass wir alle zusammen gut durch diese Zeit kommen. Es wird ein Danach geben. Oder um zum Gedanken an Ostern zurückzukommen: Es wird auch wieder Osterfeste geben, an denen wir uns uneingeschränkt Frohe Ostern wünschen werden. Wann dieses Danach kommt und wie gut das Leben wieder sein wird, das haben wir jetzt alle mit in der Hand. Wir alle zusammen können unserem Land helfen, den Weg aus dieser Krise zu finden. Und dieses Wir, das zählt jetzt."

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