Gefährliches Monopol
Die Welt erklärt Google den Krieg

Warnende Stimmen begleiten den rasanten Aufstieg Googles seit Jahren. Inzwischen das Unternehmen ein Monopolist. Kommt man der daraus erwachsenden Verantwortung nach?

Eine Kolumne von Sebastian Fiebiger

Eric Schmidt - Vorstandsvorsitzender bei Google

Eric Schmidt – Vorstandsvorsitzender bei Google (Foto: Frederic Legrand | Shutterstock)

Google ist erwachsen geworden. Vom jungen, dynamischen Startup, das die Welt zum Positiven verändern wollte, hat sich das Unternehmen zu einem marktbeherrschenden Konzern mit allerlei Machtambitionen entwickelt.

Am Fatalsten ist die Monopolstellung im europäischen Markt. Man kann gar nicht mehr vom „Markt der Suchmaschinen“ sprechen. Es gibt eigentlich nur Google – für die meisten Menschen ist Google das Internet. Ohne Google geht nichts. Selbst die Adressleiste des Browsers verkommt zum Statisten neben der Suchschlitz-Diva.

Google wird zur Gefahr für das Wirtschaftssystem

Das wird zunehmend zu einer Gefahr für die gesamte Wirtschaft. War Google ursprünglich angetreten, um Zwischenhändler auszuschalten, versucht man sich zunehmend selbst als Gatekeeper. Und schaltet dabei die Konkurrenz gnadenlos aus. Zunächst wird kooperiert und dann eliminiert.

Bei Suchen nach Produkten, zeigt Google den eigenen Preisvergleich vor allen anderen Angeboten an. Das ginge vielleicht noch in Ordnung, wenn es sich dabei tatsächlich um den besten Preisvergleich der Welt handeln würde. Dem ist aber nicht so. Google launchte in den vergangenen Jahren zunehmend halbgare, mit der heißen Nadel gestrickte Produkte, die radikal auf Profit gebürstet sind. Die Copycats etablierter Geschäftsmodell werden dann den Suchergebnissen vorangestellt – ein Missbrauch des Suchmonopols, mit dem sich auch die Kartellbehörden intensiv beschäftigen, bislang allerdings ohne durchschlagendes Ergebnis.

Google dominiert mit Android den Handymarkt

Google dominiert mit Android den Handymarkt (Foto: scyther5 | Shutterstock)

Google will jeden Markt

Flug-/Hotelsuche, Versicherungsvergleich, Restaurantbuchungen, KfZ-Preisvergleich – es gibt keinen Milliardenmarkt, den der Riese aus Mountain View nicht bereits im Visier hätte.

Man übt Kontrolle über ganze Märkte aus und kann selbst große Unternehmen nach belieben „ausknipsen“:

  • Browser – der erste 2008 gestartete Chrome ist schon heute in vielen Ländern der Welt dominierend. In Europa sind einzig Deutschland und Polen noch Widerstandsnester.
  • Suchmaschine – in Deutschland beherrscht Google mehr als 90 Prozent des Marktes. In den USA sieht es noch etwas besser aus. Dort hat Google „nur“ einen Marktanteil von 66 Prozent. Russland (Yandex) und China (Baidu) gehören zu den wenigen Ländern, in denen lokale Suchmaschinen dominieren.
  • Mobiltelefon – der Marktanteil von Googles Handy-Betriebssystem Android liegt weltweit bei über 80 Prozent, in Europa bei über 70.

Und Google will mehr. Man möchte den gesamten Medien- und Informationskonsum kontrollieren. Google will auf die TV-Bildschirme, auf die Augen (Google Glass), ins Auto und am allerliebsten direkt ins Gehirn der Konsumenten. Man plant eigene Zugangssysteme (herkömmliche Kabel, Ballons, Satelliten)

Dabei verweigert sich der Konzern jeder gesellschaftlichen Verantwortung und nutzt jedes sich bietende Schlupfloch, um sich Datenschutzvorschriften und Steuerzahlungen zu entziehen. Neuste Idee: man möchte Rechenzentren auf See verlegen, um von staatlichen Regeln unabhängig zu sein.

Google Glass

Google Glass (Foto: Joe Seer / Shutterstock)

Hat Google Macht über uns?

Im Grunde ist die Macht Googles nur ein Ausdruck der Zuneigung der Konsumenten. Google bietet viele Leistungen zunächst kostenlos – das kommt bei Usern an. Abkassiert wird erst viel später, wenn der Wechsel für den User aufwändig ist.

Aber! Noch immer ist die Suche Googles Haupteinnahmeträger. Bricht der weg, klatscht der Konzern wie ein nasser Sack auf den Boden. Und der Wechsel der benutzten Suchmaschine verursacht beim Benutzer keinen Aufwand. Es gibt keinen Lock-in-Effekt. So ist der Wechsel des Social Networks beispielsweise schwierig – man verliert seine gesamte Datenhistorie (Fotos, Postings, Videos) und muss auch seine Freunde zum Wechsel überzeugen. Der Wechsel der Suchmaschine erfordert einen Klick, braucht weder eine Anmeldung noch eine kritische Masse.

Und das ist Googles Achillesverse. Die Stimmung ist in den letzten Jahren massiv gekippt. Vor zehn Jahren war Presse noch voll von Jubelmeldungen über den kalifornischen Konzern. Inzwischen wir eher gemotzt, Panik geschürt und diskret gemobbt. Google gilt heute mehr als Gefahr, denn als Chance.

Döpfner vs. Google

So hat gerade erst Mathias Döpfner einen offenen Brief an Google geschrieben und vor den Gefahren des Monopols gewarnt. Und das sind keine Gedanken eines Verlierers. Springer beherrscht den digitalen Wandel wie kein anderer. Die Medienkonzern spielt auf der Klaviatur des Netzes, als hätte man nie was anderes gemacht.

Quo vadis?

Ich bin hoffnungsvoll! Denn Google hat eigentlich genau gar nichts!

Die Suchmaschine funktioniert nur, weil wir alle unsere Inhalte darin bereitstellen. Ohne fremde Seiten ist Google nur ein Friedhof alter Server mit einer Software. Android ist nur deshalb so geil, weil es für jeden Handyhersteller kostenlos und quelloffen verfügbar ist. Genau wie viele andere Google-Produkte. Wenn man sich mit einem kostendeckenden Preis einem fairen Wettbewerb stellt, dürfte die Dominanz bröckeln, weil Chancen für neue Konkurrenten entstehen.

Google subventioniert alle Aktivitäten mit dem Suchgeschäft. Dass man mit Produkten, die mit massivem Aufwand entwickelt und dann verschenkt werden, Marktanteile erobert, darf nicht überraschen.

Auch Google kann nicht alles. Die aktuelle Strategie des Unternehmens „Wir gegen Alle“ wird sich entweder wandeln oder Google wird sterben.

Sebastian Fiebiger: Was denkst Du über Google? Bist Du Fan oder Kritiker? Siehst Du Gefahren oder vertraust Du Googles Ansatz „Don’t be evil“? Hast Du eigene Erfahrungen mit den Geschäftspraktiken des Unternehmens gemacht? Schreib und Deine Meinung und Erfahrungen! Direkt unter diesem Artikel – in den Kommentaren.

Links & Quellen

1 Weltkarte der marktbeherrschenden Browser | Wikipedia
2 Offener Brief von Mathias Döpfner an Google | FAZ
3 Mikrogesellschaften – Google & Co. planen eigene Staaten | ARD

Blogosphäre: Diskussion über den Döpfnerbrief

1 Die Ängste von Springer-Chef Mathias Döpfner | Netzwertig
2 Warum wird ein Konzernboss zur Heulsuse? | IchSagMal
3 Angst vor Google: Döpfner und die Angstmacher | Stern
4 Lieber Mathias Döpfner | Indiskretion Ehrensache
5 Döpfner vs. Google | Don Dahlmann
6 Brüderle fordert die Zerschlagung Googles | Stefan Niggemeier
7 Springer vs. Google | De:Bug
8 Kommando “Friede Springer” will Google enteignen | TAZ
9 Döpfner, Google & der Große Gatsby | Gutjahr


Offenlegung: Der Autor hält Anteile an der Google Inc.

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