Die digitale Entwertung
Ertrinken Zeitungen wirklich im Blut des Medienwandels?

Die Zeitung wird nicht sterben – aber der Medienwandel wird im Blut ihrer Macher schwimmen.

eine Kolumne von Sebastian Fiebiger

Werden Zeitungen wirklich sterben?

Werden Zeitungen wirklich sterben? (Foto: Sergey Nivens | Shutterstock)

Immer wieder lese ich die Schlagzeile vom „großen Zeitungssterben“. Während die Einen das baldige Ende des toten Holzes als Informationsträger prophezeien, ergehen sich die anderen in retro-romantischen Schwelgereien über die Haptik knisternden Papiers und fabulieren von einer Rückkehr des Gedruckten.

Beides ist nur ein bisschen wahr. Ja, es werden Verlage sterben. Vor allem solche, denen die digitale Transformation nicht gelingt. Die es nicht schaffen, für ihre Inhalte alle wichtigen Verbreitungswege zu nutzen oder einen Verbreitungsweg so exzellent zu bedienen, dass sie ihn dominieren.

Das „Medium Zeitung“ wird aber genauso wenig sterben wie die Schallplatte oder die Musikkassette. Inzwischen wird wieder so viel Vinyl produziert, dass die Umsätze daraus, die Erlöse aus kostenlosem Streaming übersteigen. Es gibt den Wunsch nach Materiellem.

Die digitale Entwertung

So sehr ich „Netzmensch“ bin und mein Herz für alles Digitale schlägt, so sehr muss ich auch anerkennen, dass die materielle Welt ihre Vorzüge hat. Die digitale Verbreitung entwertet Kunst und journalistisches Handwerk.

Ein gut recherchierter Text verkommt auf dem Weg ins Digitale zum Informationshäppchen. In den „sozialen Medien“ ist er dann nur noch ein Bild und eine Schlagzeile. Im Netz lesen mehr als 80 Prozent der Nutzer keine Texte. Das ist NICHT die Zukunft von Journalismus.

Es wird sich gar nichts ändern

Da war die Zeitungswelt noch in Ordnung

Da war die Zeitungswelt noch in Ordnung (Foto: Everett Collection | Shutterstock)

Im Grunde wird sich gar nichts ändern. Früher haben die Menschen eine Zeitung gekauft. Bei den allermeisten Artikeln nur die Überschriften gelesen und sind in einige Artikel tiefer eingestiegen. Nur haben sie eben den „ganzen Bums“ in gedruckter Form gekauft.

Ich weiß nicht, wie die „Zeitung der Zukunft“ aussehen wird. Aber wenn sie genau diese 10 – 20 Prozent des Tiefereinsteigens abdeckt, wenn sie Einordnung und Einschätzung liefert, wird sie morgen mehr gebraucht als gestern oder heute.

Sebastian Fiebiger: Was denkst Du über den Medienwandel? Werden Zeitungen verschwinden oder ein Comeback feiern? Schreib mir Deine Meinung – direkt unter diesem Artikel, in den Kommentaren. Das geht auch ganz ohne lästige Anmeldung.

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