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Ärztepräsident hält Lauterbachs Impfstoffkauf für voreilig ▷ Corona

Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer, über dts Nachrichtenagentur

Foto: Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer, über dts Nachrichtenagentur

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hält es für voreilig, dass die Bundesregierung für 830 Millionen Euro neue Corona-Impfstoffe bestellt hat.

Lesezeit: 2 Minuten

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – „Das ist nur sinnvoll, wenn diese Impfstoffe schon an die neue Virus-Variante angepasst sind, also wirksamer sind als die bisherigen“, sagte Reinhardt der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Dienstagausgabe). Noch wisse man nicht genau, „was auf uns zukommt“.

Widersprüchliche Ergebnisse bei vierter Impfung

Zudem gelte es zu klären, ob weitere Impfungen wirklich einen Vorteil brächten. Zu den Viertimpfungen gebe es widersprüchliche Studienergebnisse. „Das muss man sich genau anschauen und erst dann entscheiden, ob eine Impfstoffbeschaffung in der genannten Größenordnung erforderlich ist“, so Reinhardt vor Beginn des Deutschen Ärztetags, der von Dienstag bis Donnerstag in Bremen stattfindet. Der Ärztepräsident kritisierte, die Corona-Politik der Ampel sei nicht besser als die der Vorgängerregierung: „Innerhalb der Koalition gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen zum Umgang mit Corona, das führt zu einem Schlingerkurs und zu Verwirrung.“

Vor allem die Kommunikation von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sei „recht merkwürdig“. Etwa als er die Entscheidung zum Aussetzen der Quarantänepflicht in einer Fernsehsendung plötzlich wieder zurücknahm. „Ich habe den Eindruck, dass der Minister auch sonst manchmal sehr einsam entscheidet“, sagte Reinhardt der FAZ. Er kritisierte, dass die Ärztekammern nicht in Lauterbachs Regierungskommission zur Krankenhausreform aufgenommen worden seien. Der Ärztepräsident schlug vor, dass sich der Bund an Investitionen in Krankenhäusern beteiligen sollte, um die eigentlich dafür zuständigen Länder zum Mitmachen zu animieren.

Zum Ukraine-Krieg berichtete Reinhardt dem Blatt, dass in deutschen Traumazentren bereits Verwundete aus den Kampfgebieten versorgt würden. Es stünden 1400 deutsche Ärzte bereit, um in den ukrainischen Nachbarländern oder in der Ukraine zu helfen. Der Krieg treibe die Kosten im Gesundheitswesen in die Höhe und sorge für Knappheiten, etwa bei Präparaten gegen Blutgerinsel. Der Allgemeinmediziner forderte staatliche Hilfen zur Kompensation.

„Zur Stabilisierung der Versorgung wird die Bundesregierung auch diesen Bereich stützen müssen“, sagte er der Zeitung. Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens hält Reinhardt für mangelhaft. Nur 0,5 Prozent aller Patienten nutzten die elektronische Patientenakte, das E-Rezept sei nicht bisher einmal 11.000 Mal verschrieben worden. Die Übernahme des zuständigen Telematikunternehmens Gematik durch den Bund habe nichts zum Besseren geändert. Reinhardt regte ein „Praxiszukunftsgesetz“ an, mit dem Ärzte unterstützt werden sollten, die in neue Techniken investierten. Vorbild sei das Krankenhauszukunftsgesetz.

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