Kolumne
Kohle vs. Kopf – Was Fußballclubs wirklich erfolgreich macht

Erfolg: Konzept und „Köpfe“ schlagen „Kohle“! – Was man von den „Lilien“ aus Darmstadt und den „Augschburgern“ lernen kann.

eine Kolumne von Ernst Holzmann

Fußball: Geld allein schießt keine Tore

Fußball: Geld allein schießt keine Tore (Foto: Eugene Onischenko | Shutterstock)

Wieder mal ein „Herzschlag-Finale“ in der Bundesliga und wieder hat es mit Hannover 96 und den „furchtlosen und treuen Schwaben“ aus Stuttgart nicht gerade „kleine“ Clubs erwischt. Warum bleiben aber die „Lilien“ aus Darmstadt und der FC „Augschburg“ in der Liga, warum müssen die „Adler“ aus Frankfurt noch um den Verbleib zittern und wieso schafft aber der SC Freiburg den sofortigen Wiederaufstieg? Warum ist der „Durchmarsch“ der „Roten Bullen“ aus Leipzig für viele Fans der anderen Vereine ein Rotes Tuch und weshalb laufen die Schalker und die „Löwen“ aus München-Giesing trotz viel Geld den eigenen Ansprüchen hinterher?

Schießt Geld wirklich Tore?

All diese Fragen werden von den jeweiligen Fans leidenschaftlich und auch kontrovers diskutiert und oft genug hört man, dass Geld tatsächlich Tore schießen kann. Natürlich ist „ohne Moos“ nicht viel los und natürlich hängt sportlicher Erfolg auch in gewisser Weise von den finanziellen Rahmenbedingungen ab. Aber nicht nur. Viel Geld sinnlos ausgeben kann jeder, das ist keine große Kunst. Die Spreu vom Weizen trennt sich jedoch bei dem Anstreben von sportlichem Erfolg mit begrenzten Mitteln und ohne sich in finanzielle Abenteuer zu stürzen, die im Zweifel sogar das Ende des jeweiligen „Vereines“ (obwohl wir im Profi-Bereich schon lange von Wirtschaftsunternehmen reden) bedeuten können.

Was wirklich den Unterschied macht

Um langfristig und nachhaltig erfolgreich zu sein, machen eben immer noch die handelnden Menschen den Unterschied. Sowohl „auf dem Platz“ und an der Seitenlinie, als auch in der Geschäftsführung. Gerade zur Vorbereitung der neuen Saison haben die Verantwortlichen (egal ob Kreis-/oder Bundesliga) die große Chance, sich neu zu positionieren und vielleicht sogar einen kompletten Neuanfang zu wagen. Um gut aufgestellt zu sein, reicht es jedoch nicht aus, fünf neue Spieler zu verpflichten, den Trainer zu wechseln, oder einen Satz neuer Trikots zu kaufen.

Gefangen im Teufelskreis

Gefangen in dem Teufelskreis von immer höheren Ansprüchen der Spieler, Fans und Sponsoren, den finanziellen Engpässen und dem Bedarf an qualifiziertem Personal, hilft hier die generelle Erkenntnis, dass „Vorher Überlegen nachher überlegen macht“! Und bei diesem „Überlegen“ und anschließenden Handeln kann man tatsächlich von den Darmstädtern „Lilien“, den „Puppenspielern“ aus Augsburg, den „Meeenzern“ und den Freiburgern einiges lernen, zum Beispiel:

  • Erkennen der eigenen (des Vereines) Identität, Wurzeln, Stärken und Möglichkeiten.
  • Entwickeln einer eigenständigen Philosophie (wofür steht der Verein) und eines entsprechenden Leitbildes.
  • Setzen auf das „wahre Kapital“ eines Vereines, nämlich auf die Leidenschaft und Treue der Fans und die hundertprozentige Identifikation aller „Angestellten“ (Spieler, Betreuer, Trainer,…) mit ihrem Arbeitgeber. Und ganz speziell auf den eigenen Nachwuchs!!
  • Vermeiden von finanziellen Abenteuern und Abhängigkeiten. Besonders von dubiosen Sponsoren und/oder Kreditgebern, die Einfluss auf die Vereinspolitik haben wollen und bei Misserfolg meist einen Scherbenhaufen hinterlassen.
  • Setzen von ehrgeizigen, aber realistischen Zielen.
  • Anstreben von sportlichem Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Und vor allem nicht mit dem Risiko, seine eigene Identität zu verlieren und die Existenz des Vereines aufs Spiel zu setzen
  • Schaffen eines attraktiven Umfeldes (Infrastruktur, …) und einer Atmosphäre, in der sich die Spieler wohl fühlen.
  • Teamgeist im Verein: Alle unterschiedlichen Interessengruppen (z.B. Fans, Vorstand, Sponsoren, Spieler, Trainer Mitglieder,..) identifizieren sich mit der Vereins-Philosophie und den gesetzten Zielen. Keine Machtkämpfe und Eifersüchteleien in der Führungsetage, kein zu schnelles und hektisches Reagieren auf Misserfolge.
  • Hoher Fokus auf die Besetzung von Trainer-Positionen, ganz speziell im Jugend-Bereich. Dabei ist neben der fachlichen Kompetenz vor allem eine entsprechende Qualität in Menschenführung unabdingbare Voraussetzung.

Oder zusammengefasst: Ein schlüssiges Konzept, Kompetenz und Zusammenhalt in der (Führungs-) Mannschaft, sowie Konsequenz in der Umsetzung sind meistens besser als nur viel „Kohle“. Und das nicht nur auf Schalke, beim Hamburger „Streit Verein“, oder bei den „Furchtlosen und Treuen“ aus Schwaben. Wobei nicht nur diesen „Treuen“ vielleicht der Trost von „Ösi-Bomber“ Toni Polster hilft, „dass echte Fans niemals absteigen, sondern höchstens die Liga wechseln…“

Der Autor

Ernst Holzmann

Ernst Holzmann   

Ernst Holzmann trug mehr als 30 Jahre Verantwortung in leitenden Funktionen (u.a. Geschäftsführer für Vertrieb & Marketing; Leiter Unternehmens-strategie) bei Unternehmen der IT-Industrie und agierte gleichzeitig als Trainer (mit DFB-Lizenz), Sportlicher Leiter und Vorstand bei verschiedenen Vereinen.

Aktuell unterstützt er als Interim Manager Unternehmen in strategischen Neupositionierungen und in speziellen Krisensituationen. Daneben gibt er seine Erfahrungen als Dozent und Referent für die Themen Leadership, Unternehmensführung, Sport-ökonomie, Marketing und Kommunikation an Studierende und bei Unternehmens-Seminaren/-Veranstaltungen weiter.

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